Die Klavierspielkunst und deren´Schulen´

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 UNBESCHRITTENE WEGE   –    KLANGKULTUR AUF ABWEGEN!

Die Ausbildungsschulen des künstlerischen, klassischen Klavierspiels unterscheiden sich im Großen, erst recht im  Kleinen kaum voneinander.  Trotz nach einem, auf den ersten Blick vielfältig unterschiedlichen,  jedoch nach genauerem Hinsehen,  sich nur bemühend um ein äußerliches Erscheinungsbild einer methodisch „möglichen“ Lehrweise (Didaktik), versuchen sie sich auf dem hart umkämpften Markt unter- und voneinander abzugrenzen. Diese alle zusammen bilden die Pianistinnen und Pianisten von Morgen aus, darunter auch Klavierspiel-Akademien jeglicher Art, nicht nur die sagenumwobenen Musikhochschulen – auch hier scheint die Masse standardmäßig das (träge) Sagen zu haben. Die fälschliche Sorge um einen Verlust der angeblichen(?) Vielfalt einer individuellen Spielweise, wie auch deren methodisch „unterschiedlichen“ Herangehensweisen musikalischer Natur, scheint nur vorgeschoben zu sein, um normativen, notwendigen Erkenntnissen leichterdings aus dem Wege zu gehen! Hiermit wird jedoch genau das Gegenteil bewirkt, alle spielen ähnlich unvollkommen. Warum?  Weil klaviermethodisch normative Erkenntnisse bisher kaum interessierten und deshalb auch geistig wie in praxi spielerisch quasi unbewusst geblieben sind.  Um der Spontanität des unbewussteren Spiels Willen, wird auf rezeptive Spielhaltung fast gänzlichst verzichtet. Ja, wie ist es denn um die rezeptive, klangfördernde Haltung des Spielers in Wirklichkeit bestellt?  Ein vielfach einziges Heischen nach „interpretatorischer“ Individualität, gleichgestellt mit „tatsächlicher“, leider fälschlich angenommenen Freiheit, nimmt den Großteil des Raumes ein, kaum mehr.  Schnelles, „sicheres“ Auswendiglernen und tempobetont schnelles Spiel meist als einzige, gewalt(tät)ige Herausforderung an die Gedächtnisleistung –  Klangkultur auf Abwegen!

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„Musikantentum am Klavier“ ist eine wichtige Errungenschaft heutiger Ausbildung.    Was, wenn eine übergroße Mehrzahl dieser Pianisten und Klavierspiel-Ausbilder unter Druck der beruflichen Vermarktung samt Ausbildung ein eigenes nach klangtechnischen Prämissen orientiertes Spiel sowie Technik unbeispielhaft und unvollkommen weitergeben auf der Konzertbühne oder im Unterrichtsraum und alle es dem gleichtun? Dann bleibt dies als der Mainstream und als Verkümmerung der allgegenwärtigen klassischen Klavierspielkultur inklusive seiner Scheuklappen nur noch übrig, eine Art geistige Digitalisierung unerworbener Fähigkeiten, eine zu geschlossene Schranke,  um in natürlicher Weise zu einer idealen Klangrealisierung am Instrument Zugang zu finden – wie schon beobachtbar über Jahrzehnte hinweg. Eine künstlerische Beispielhaftigkeit für zukünftige Generationen bleibt fast ausgeschlossen, mit seltensten Ausnahmen einiger Wenigen.   Unbeschrittene Wege, die zu gehen vorhanden wären, aber leider unbekannt geblieben sind, verhindern aktuell immer mehr die Idealhaftigkeit der klassischen Klavierspielkunst, allerorts.

Die Wiederentdeckung der Einfachheit, mit ihr die höchsten Errungenschaften der Klavierspielkunst ein Unding? Unter den vorherrschenden Bedingungen, der wenig geeigneten, oftmals ganzheitlich fälschlichen Lehrinhalte sicher ja. Man achte nur einmal auf die habituel exaltierten „Ausweich“-Gebärden der meisten Klavier-Hochbegabungen auf öffentlichen Konzertbühnen! Unter den Stars ergibt sich dasselbige Bild, der selbige defizitäre Klavierklang. Nicht die Bewegung ist es, die den idealen Klavierton erzeugt, sondern es ist der Geist, die ideale Klangvorstellung (der Geist) und deren analog spieltechnisch beste, ideale Umsetzung (das Körperbewusstsein/die Klavierspieltechnik) .

Motto: Technik ist die Vermeidung aller überflüssigen Bewegungen.

Der Schlüssel aller großer Klavierspielkunst liegt im rechten Hören, einem inneren Lauschen, einem inneren Hören, so wie es einst Beata Ziegler formulierte. Dieses Hören umfasst das damit einhergehende Wissen, in erster Linie das spieltechnische Bewusstsein um die klangentfaltenden Möglichkeiten des Klaviers. Genau diese werden nirgendwo im rechten Sinne gelehrt. Sie werden nur erahnt, jedoch nicht didaktisch als praktische Kunst gelehrt. Praktizieren kann es jeder nachdem er/sie es gelehrt bekam. Das Gros der Pianisten/innen weiß leider nicht viel darüber. Und das Publikum dadurch noch weniger. In der Schule hätte man nachsitzen müssen, um das Versäumte aufzuholen. In der Pianistenausbildung drängt ein jeder auf die Konzertbühne ohne dieses spezielle Bewusstsein, welches jedoch das Pianistische geradezu ausmacht.

Sollten nun denn alle Klavierkünstler, ob Pädagoge oder nur Künstler, nachsitzen? Meine Antwort wäre ein Ja, nicht alle, aber der überwiegend große Teil, darunter auch die Bekanntesten. Die Angelegenheit wäre schnell vermittelt, in einer Art Fortbildung, derer man sich unterziehen müsste, klavierspieltechnisch gesehen. Ob man danach seine Spielweise ein wenig umstellen müsste oder nicht, bliebe einem selbst überlassen.

Zuviel Angst ist im Spiel seine angebliche „Individualität“ verlieren zu können. Pianisten sind sensible Wesen! Sie wollen sich niemals verbiegen lassen. Dies führt zu einer Wiederentdeckung des Rades, des eigenen Hamsterrades sogar! Deshalb sträuben sich selbst Weltstars neu hinzu zu lernen – wie schade! Professoren der Klavierspielkunst sowieso, sie sitzen fest und stempeln alle als arrogant ab, die es besser wissen könnten!?

Das hat wieder dieselbe Methode, Scheuklappen aufsetzen! Jene Scheuklappen, die das innere Hören und dessen Klangkultur außer Kraft setzen! Dabei wäre es nicht allzu aufwendig, Neues hinzu zu lernen.

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Somit wird selbst die Unlust Neues hinzu zu lernen von Studentengeneration zu Studentengeneration unreflektiert weitergereicht.  Alles nach dem fälschlichen Motto, das Pianistenleben wäre zu kurz, um Neues zu erlernen. Nämlich: Ausgleich (Ballance), statt Ausweich(Exaltiertheit)! Also zweite Wahl, kaum die erste Wahl – so auch deren „Klavierspielkunst“!

Im Jazz wird es als „mit gezinkten Karten spielen“genannt, wenn eine/r nicht wirklich  frei spielt. Friedrich Gulda spielte echten Jazz dagegen – er konnte beides! Doch auch ein Genie wie Gulda, hätte womöglich profitiert. Sicher hätte er das! Auch ein Brendel hätte profitiert, vielleicht wollte er nicht mehr? Zuviel Erfolg macht blind, besser gesagt taub!

Die Wiederentdeckung der Einfachheit scheint keinesfalls einfach zu sein, wenn es um Offenheit und Transparenz des Pianisten geht. Die Pfade hierzu sind gelegt, wir müssten nur wieder dahin gelangen und sie neu beschreiten.  Jeder Tag ist ein neuer Tag,“ wir alle sind Anfänger“, sagte mir einmal ein mit der japanischen Tempelmusik vertrauter Großmeister des Shakuhachi-Spiels im Garten des Zenklosters.

Rezeptive Haltung erfordert geistige Durchdringung, allen praktischen Anforderungen gegenüber. Spontane Spielhaltung zielt meist auf Gewalt ab, wie das Wort „Anschlag“ schon zeigt. Wir „nehmen“ die Taste, den Akkord, wir „tragen“ den Klang, niemals schlagen oder sinnlos donnern, sonst ist eine differenzierte Kerngebung nicht möglich! Das Wesen natürlicher Klavier-Spieltechnik der individuellen Willkür anheimgestellt!

Es gibt in der Kunst des Klavierspiels basistechnisch nichts Bedeutenderes als die Tongebung. Erst über diese hinaus kann gesunde Klangkultur entstehen und gedeihen. Alles andere ist zweite Wahl und bleibt auf halber Strecke stehen, wie jeder sich selbst davon in den Meisterkonzerten überzeugen kann. Der „singende“Ton“ , der „ausgehörte“ Klang, der“angegebene“ Notenwert, die „liegenden“ Stimmen, „rhythmische“ Pausen, all diese Anforderungen bedürfen einer angemessenen Behandlung , am Vollkommensten durch inneres Hören: Voraushören, Nachhören, Durchhören, Aushören, Zusammenhören etc. Ohne inneres Hören kann Klaviertechnik keine gute Grundlage erfahren und weiterbilden, selbst als Koordination-Genie nicht! Natürlich stößt man auf Ablehnung bei Spielern, welche jedweder Form von „Königswegen“ grundsätzlich misstrauen, doch bei genauerem Hinhören wären die Zweifel wie weggeblasen. Die Plausibilität der „Methode der Methoden“ läge, bzw. liegt auf der Hand.

Stichwort: Artikulation!

 

http://www.pianistika.de

 

 

 

 

Das Wissen um die Einfachheit und das Inneren Hören in der Klavierspielkunst

Wie will man ein  Klavier-Lehrwerk des 20.Jahrhunderts heute noch verstehen lernen, um fachlichen Einblick in die Kunst des Klavierspiels nehmen zu können, wie sie nirgend wo anders aus deren Pädagogik so hervorgeht, als in der Pädagogik von Beata Ziegler und Elisabeth Caland (Ludwig Deppe)?

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Beata Ziegler

 

So einfach wie es scheinen sollte ist es scheinbar nicht, denn es ist bekannt, dass Klavierpädagogen/innen und Pianisten/innen sich nicht (!) ausreichend weiterbilden, gerade dann nicht, wenn sie Karriere machen müssen.

Wie jede andere Kunst ist die Klavierspielkunst und deren Spieltechnik ein hochgradig sensibles Unterfangen, wenn es einer Qualitätskontrolle unterzogen wird.  Doch wie genau sind denn heute die Merkmale einer, sagen wir „natürlichen“ oder „idealen“ Klavierspieltechnik zu definieren, dies käme folglich einer Ästhetik der Klavierspielkunst gleich? Wobei doch nebenbei bemerkt Superstars der Szene sich niemals einer noch so trefflichen Ästhetik unterwerfen wollten, aus angeblich „künstlerischen Freiheitsgründen“, um zu kaschieren, an welchem „wunden“ Punkt sie „ausgestiegen“ sind aus dem Weiterlernen auf solider Basis.  Es ließe sich fragen, wieso dann Carl Ph.E. Bach sich nicht zu schade dafür war hierüber nachzudenken und ein mehrere hundert Seiten langes Buchregelwerk mit dem Titel  „Ein Versuch über die wahre Art das Klavier zu spielen“ zu verfassen?

 

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Elisabeth Caland

Es gilt heute also wieder einmal die Parameter in Wort und Tat auszuloten, welche ein hochwertiges, künstlerisches Klavierspiel kennzeichnen und deren Merkmale zu charakterisieren.  Genau dies geschah auch von vereinzelten Personen (siehe Bilder!) des früheren 20.Jahrhunderts. Im späteren Ausgang des Jahrhunderts waren es dann deren Schüler und Pädagogen, die bis in die heutige Gegenwart  dies einzigartige Wissen um die Einfachheit und das Innere Hören in der Klavierspielkunst weiter zu geben trachten.

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Ludwig Deppe

Deckungsgleiche Parameter der „Methode der Methoden“ von Frederic Chopin und Ludwig Deppe enthüllte wie niemand anders zuvor Elgin Roth in ihren beiden, mehrfach ausgezeichneten Büchern.

Die Ahnungslosigkeit vieler heutiger Pianisten/innen sowie Pädagogen ist geradezu himmelschreiend, wie wenig sich „Ausbilder“ und Bühnenstars ernsthaft darum scheren, was die fortschrittlichsten Reformer der Klaviermethodik zu sagen wussten. Deren „künstlerische Freiheit“ bleibt durch mangelndes Wissen und Ignoranz so doch arg eingeschränkt, es fehlt an musikalisch methodischem und handwerklichem Wissen um die tatsächliche und wahre künstlerische Spieltechnik des Klaviers. Doch wenden wir uns ab vom Dreschgehabe heutiger, selbst weltberühmter Pianisten, aus welchen Schulen sie auch immer hervorgehen.    Wenden wir uns besser den Parametern von  Beata Ziegler, Ludwig Deppe,  Elisabeth Caland, Anna Stadler, Elgin Roth, Friedrich Rabl,  Marco Antonio de Almeida u.v.a. zu

 

 

 

Aktuelles zur Klaviermethodik

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Was wären denn die brennenden Themen einer gegenwärtig innovativen Klavierspielmethodik, welche ihren verlängerten Arm, die Klavierpädagogik, endlich einmal nicht in Verlegenheit brächte? Ist eine Methode nicht wirklich zuerst begriffen, kann sie deren Pädagogik nur äusserst lückenhaft mit der notwendigen Insider-Information (Feedback) speisen.

Also wohin sollten uns klug und verständig gestellte Fragen denn führen, zu welchen Themenkomplexen der Pianistik?

Zu einem „natürlich singenden Ton“ am Instrument etwa? – ….dessen Natürlichkeit auf eine wiederum natürliche Entstehung zurückweist. Ein Wodurch – wodurch entsteht derart Natürlickeit? – man entschuldige mir die Überstrapazierung des noch verschwommenen Begriffes „natürlich“.

Eine glückliche Spieltechnik ist zweifelsohne von Vorteil. Doch wie sieht sie aus – diese „glückliche Spieltechnik“ – was macht sie in ihrem Innersten aus?   Synonym für diese Art Spieltechnik ist meinem Verständnis nach der Begriff  „Kunst des Klavierspiels“.

Ich würde es sogar wagen, eine „Antikunst des Klavierspiels“ als Gegenwartsbewegung hierbei auch in Betracht zu ziehen, einem Art Chaosprozess geschuldetem Zustand, dessen Einflüsse weltweit seine Spuren hinterlassen. Bei eingehenderer Betrachtung sind es die Dinge, die nicht gesagt werden, welche diese Situation so erschwert, dass sie nur als negativ erscheint.  Sprachlosigkeit der eigenen Zunft gegenüber kann nicht fruchten, weder theoretisch noch praktisch.

Fortschrittlich denkende Klavierpädagogen wie Rudolf Kratzert, Marco Antonio de Almeida, die verstorbene Elgin Roth, Maria Leutenstorfer und etliche mehr erkannten Jahrzehnte zuvor schon dieses Manko der gegenwärtigen KlavierMusikausbildung und veranstalteten regelrechte Methodik-Seminare, um gegen das sprachlich begriffliche TOHUWABOHU anzugehen.  Gegen die große Masse „klavierspielender“Menschen hatte man kaum eine Chance, aber die wenigen hundert oder gar tausend Studenten, welchen diese Reformbestrebungen zuteil wurden, verfolgen und beschreiten den Weg auch heute und weiter. An der Sprache spiegelt sich das Bewusstsein wieder und wenn es eine nur ungenügende Sprache gibt, ist auch deren Bewusstsein auf niedrigerem Stand, somit auch deren Spielweise und -Technik.

Alles ließe und lässt sich auch bis ins kleinste Detail im Klavierunterricht oder auf einem Meisterkurs erklären. Warum es kaum geschieht  liegt sicherlich an dem nicht vorhandenen Wissen der großen Masse einseitig  oder gar unzureichend ausgebildeter Pianisten und Pädagogen. Viele Musikstudenten aus dem Ausland strömen nach Europa an die Hochschulen mit dem guten Glauben dort dann, an der Wiege der Musik, das Entscheidende und Relevante zu erfahren, DENKSTE!

Zu fragen wäre, weshalb Dozenten und Pianisten, nicht alle wohlgemerkt, so wenig von Fortbildung halten??  Lieber geben sie ein Konzert mehr, anstatt ihr eigenes berufliche Handwerk  einmal selbstkritisch zu betrachten. Das sind die falschen Allüren, denen Bühnenkünstler gerne anhaften. Die Standartisierung falscher Werte, sowohl technischer wie auch künstlerischer Art werden aus jener Allürenhaftigkeit geboren und an Musikhochschulen weiter generiert. Je mehr Menschen die Einsicht verwehrt bleibt, wie entscheidend wichtig es ist, das eigene „musikinstrumentale Handwerk“ fortan zu entwickeln, dieses fortan zu hinterfragen, fortan zu hinter“spüren“ – zu erspüren, desto weniger tiefgreifend wird sich die gegenwärtige Landschaft der Klavierwelt in seiner Qualität zum Besseren ändern können – ihre wahren Kraftquellen werden allmählich und unmerklich versiegt sein, wenn sie es nicht schon längst sind! So! – In dieser gegenwärtig unstabilen Verfassung scheint die aktuelle Klavierwelt  sich zu befinden. Da verwechselt man die Ausnahme mit der Regel und umgekehrt. Wo es Regeln gibt, werden sie nicht erkannt, und wo es eher keine Regeln geben sollte, werden sie fälschlich und irreführend einstudiert.

Es scheint müßig geworden zu sein, Lehrwerke der Vergangenheit für den aktuellen praktischen Gebrauch auf deren Inhalte abzuklopfen. Das Interesse besteht überhaupt kaum unter Klavierfachkräften, sich gegebenenfalls darauf zu beziehen. Hier wird ein Ego-Kult sondersgleichen an den Tag gelegt. Als ob man das Rad neu erfinden könnte.

Jeder strebt da lieber ohne Aufwand seinem Rentenalter entgegen, sei es darum. Die Materie des Klavierspiels gibt ohnehin genug her, um nicht auch noch auf die Vergangenheit zurückgreifen zu müssen, Herr Klavierprofessor! Köcheln Sie doch ungestört ihr „eigenes“ pädagogisch/methodisches Süppchen, ja so, wie es alle heute tun.

 

 

(Fortsetzung täglich!)

Der „lange Hebel“des Inneren Hörens

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Das spezielle „Pianisten-Gen“ scheint unter studierten Klavierspielern weit verbreitet zu sein, doch nur wenige dieser Pianisten/innen verfügen über den „langen Hebel“, die Verbindung von Körpermitte(Hinterland) und Fingerspitze(Vorderland).  Genau genommen wird er auch ebenso selten gelehrt. Ausschließlich über die Kultur des bewussten Hörens, eines inneren Hörens des Spielers kann dieser sogenannte lange Hebel entstehen und vermittelt werden.

Er garantiert dem Pianisten/der Pianistin spieltechnisch den Krafttransport in Leichtkraft und Ausgeglichenheit (Balance) ausgehend vom musikalischen Impuls.  Charakteristisch ist hierbei ein sehr „leicht“ gefühlter Arm.  Deshalb beginne man bei Anfängern am Klavier auch mit Körperübungen, in denen die Arme flaumfederleicht empfunden werden.

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Die allerersten Töne am Klavier können auf klangvolle Weise schon von Anfängern erzeugt werden.  Ein „singender Ton“ am Klavier kann so in dieser Art entstehen, ohne Drücken, Schlagen oder Pressen der Tasten.

Die Kultivierung eines natürlich singenden, kernigen Tones sei bei Allem das Hauptziel – gleichzeitig die psycho-physische Realisation des musikalischen Textes.  Das Hauptmanko der Heerscharen von Klavierspielern besteht hauptsächlich auch genau darin, dass sie in erster Linie Bewegungsabläufe mechanisch verinnerlichen ohne eine genügende Kontrolle des inneren Ohres, des inneren Hörens, das an allererster Stelle stehen sollte.  Viele dieser Pianisten/innen gelangen dadurch erst im höheren Alter aufgrund von „Altersweisheit“ zu den wirklichen Erkenntnissen einer natürlichen Klavierspieltechnik, manche tragischerweise gar nicht.

Ob im Konzertsaal, in Musikschule, Musikhochschule oder Privatunterricht – an allen Stellen, auf allen Stufen gilt diese „Naturgesetz“ der Pianistik und trifft ausnahmslos für alle anderen Instrumentalisten, insbesondere den Gesangskünstler zu. Es bleibt trotzdem ein großer Unterschied, ob solch „inneres Hören“ erst im Alter auf „höherer“ Stufe erreicht wurde, oder schon in Kindes/Jugendjahren ab den ersten Klavierstunden kultiviert wurde.

Hochschulen für Musik kümmern sich vorwiegend um „Koordinations-Überflieger“, blenden die Lehre des Inneren Hörens gänzlichst aus. Eine Schulung des inneren Hörens findet an Musikhochschulen meines Wissens nach nicht statt, weltweit.  Der     Lehrkörper kann nicht weitergeben, was er nicht selbst erfahren hat. Bestenfalls fließen einige „Geheimtipps“ hierzu mit ein,   aber das war es dann auch schon.

Die besten Lehrer des künstlerischen Klavierspiels lehnten deswegen eine Berufung an eine Musikhochschule verständlicherweise ab und bevorzugten Privatunterricht zu erteilen( z.B. Anna Stadler/München).

Falsch gelenkte, jedoch Wettbewerb geschulten Hochbegabungen überfluten heute wieder die Konzertbühnen der Welt. Musikhochschule als flüchtiges Durchgangsstadium seltener Koordinationsgenies, wobei Management der Karriere inzwischen offensichtlich mehr Raum einnimmt, als die innere natürliche Entwicklung der Kunst, des Spielvermögens sowie der Persönlichkeit.

Ein Widerspruch zwischen Wettbewerbstauglichkeit und der Schulung des Inneren Hörens besteht ja, wie man irrtümlicherweise glauben könnte nicht –  im Gegenteil!

Das Spielvermögen heutiger junger Pianisten und Pianistinnen wird durch die Schulung des (Inneren) Hörens den erhöhten Wettbewerbsanforderungen heutiger Zeit im höchsten Maße gerecht.

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https://www.musikverlag-zimmermann.de/ziegler-beata/

Da sind uns Europäer die Asiaten um einiges voraus. Die errichteten und weihten in Tokjo in feierlicher Zeremonie ein Bronze-Denkmal schon in den 60-Jahren für die Schöpferin der INNEREN HÖRENS – Beata Ziegler!  Heute wird die Beata Ziegler- Gesellschaft. e.V. in Tokjo weiterhin stark frequentiert. Die ehemalige Klavierstudentin aus München (Klasse Schilde) und heutige Professorin Yukino Fujiwara vertritt dort deren musikalischen Belange. http://www12.ocn.ne.jp/~yukino/d/  Hierzu darf nicht unerwähnt bleiben, dass Yukino Fujiwara in München im Hause der legendären Klavierpädagogin Anna Stadler aufgewachsen ist. Direkter kann man das innere Hören wohl nicht erlernen, außer man war bei Beata Ziegler selbst. Der kluge Schilde erkannte das, als Y.Fujiwara zu ihm an die Hochschule kam, um ein Studium zu absolvieren. Der PIANISTENWEG Anna Stadler-Schilde war sicherlich zur damaligen Zeit ein sehr geschickter. Schilde war als Professor für Klavier in München ein sehr aufgeschlossener Geistesmensch.

Das Eine sei noch dazu gesagt:  Viele „ausgereifte“ Pianisten/innen der nahen Vergangenheit, darunter Klavierdozenten wie Pianisten, fanden auch noch im fortgeschrittenen Alter über die Lehre des Inneren Hörens zu ihrer individuell eigenen, authentischen Spieltechnik und konnten diese dann auch an ihre Studierenden weitergeben, weiterlehren.

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Eine berühmte Münchner Klavierprofessorin der Musik-Hochschule revidierte in ihren letzten beiden Lebensjahren (!) nahezu ihr gesamtes klavierpädagogischen Schaffen, nachdem sie das INNERE HÖREN von der Güte her als höchste pianistische Schulung einstufte mit den Worten:

„Wenn ich mein langes Leben nochmals leben könnte, würde ich pianistisch gesehen genau das Gegenteil von dem tun, was ich tat.“ Sie bezog sich dabei direkt aufs innere Hören. Jener Klavierprofessorin(siehe Bild!) gelang es dann noch die letzten zwei Jahre ihres Lebens ihre gesamten Privatschüler darin zu unterrichten. Als Vermächtnis hinterließ sie folgendes Kompendium für Pianisten/innen.

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Nur über Umwege kam dieses Kompendium an die Öffentlichkeit und ist nun seit längerer Zeit schon im Handel.

Das der Autorin am Herzen gelegene Material ist darin vollkommen enthalten. Sie, die Klavierprofessorin Maria Landes- Hindemith, legte ausdrücklich besonderen Wert darauf, das Kapitel „Beata Ziegler“ klavierspieltechnisch intensiv zu unterstreichen.

Es ist heute wie damals davon auszugehen, dass Musikhochschulen sich in ihrer Verantwortung und Wahrnehmung gegenüber der Aufarbeitung der eigenen musikpädogischen Entwicklungsgeschichte absolut ignorant verhalten.

Ein gemindertes Ansehen ist die heutige Folge, welche Musikhochschulen aufgrund ihrer eigenen Versäumnisse diesbezüglich erfahren müssen. Ob diese Tatsache den Musikhochschulen überhaupt bewusst ist, sei als Frage hierzu durchaus berechtigt. Sind denn praktische Musiklehre, die instrumentale und vokale Ausbildung nicht etwa das Herzstück einer jeglichen Musikhochschul-Ausbildung? Wie ist es nur möglich, die praktizierende Pädagogik und deren Entwicklungsgeschichte heute völlig auszublenden, bestenfalls als eine Fußzeile zu behandeln??

Niemand fühlt sich hierfür noch verantwortlich, da es keine Köpfe mehr dafür gibt!  Ein seelenloses Kommen und Gehen könnte man meinen. Hoch/zeit für Musikmediziner? – Haarsträubende Unbedarftheit in methodisch/ spieltechnischen Analyseverfahren und deren bestehenden Fragenkataloge zur SPIELTECHNIK an den Musikhochschulen.

Überzeugen sie sich selbst über etwaige Schieflagen:

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Dreiteilige Serie über (Schieflagen in der) Musikausbildung in Deutschland, Teil 1: Musik studieren

https://van.creatavist.com/hauptfach-tunnelblick

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Ich glaube, dass Musikhochschulen noch nicht einmal einen geeigneten Lösungsansatz zu dieser Defizit-Problematik ihrer eigenen Instrumental-Lehre gefunden haben. Nach welchen Kriterien suchen sie ihre Dozenten aus? Ja und wer sucht aus? All dies sind meiner Meinung nach noch unbeantwortete Fragen und eine gewisse Fahrlässigkeit sei den Musikhochschulen damit unterstellt. Jeder süppelt vor sich hin. Es gibt keine offenen Diskussionen um Spieltechnik und Kunst eines bestimmten Instrumentes innerhalb der Hochschulen. Das ist jedem Dozenten selbst anheimgestellt, was und wie er unterrichtet. Daran sollte auch keiner rütteln, wo kämen wir da hin? Schlechte Zeiten für Innovationen spielerischer Art, wenn Tür und Tor offen stehen für Beliebigkeit. Nichts geht mehr voran in der Methodologie der Instrumentalkunst, der künstlerischen Spieltechnik – tote Hose.

Die Studierenden sind ebenso auf sich alleine gestellt und werden sich ihre eigenen Gedanken hierzu machen müssen, ohne Hilfestellungen, ein Durchwurschteln ist die Folge. Das kann nicht richtig sein! Es kann nicht sein, dass man die Kunst des Lehrens so schwammig unbesprochen lässt, sie ist wie die Kunst selbst im Idealfall.

Um konkreter zu werden, es geht darum, was man z.B. einem Klavierstudenten an handwerklichem Können mit auf den Weg gibt. Noch konkreter: Was ist es, was er/sie erlernen sollte, um darüber verfügen zu können, selbst wenn er/sie nicht den göttlichen Funken besitzt? Das wäre ein realistischer Ansatz, sich darüber klar zu werden, meinetwegen darüber auch zu streiten, welche Minimal-Standards in jedem Falle methodisch, pädagogisch und künstlerisch zu vermitteln und gewährleisten sind. Davon sind Musikhochschulen weit entfernt, vielleicht sogar entfernter denn je.

Die Vermittlung des „langen Hebels“, welche vom bewussten Hören ausgeht, ergibt den gemeinsamen Ansatz, um die vorhandene Werte der Ausbildungsinhalte zumindest einmal zu bündeln und auszurichten. Doch was macht diese Körpermitte denn im Spieler aus, welche eigenschaftlichen Faktoren bestimmen diese „Körpermitte“, welche in Verbindung zur Fingerspitze und weiter noch zur Klaviersaite verlaufend den erwünschten Klang garantieren soll? Da geht es doch um Durchlässigkeit, Transparenz, Tonkultur gepaart mit einer entsprechend natürlichen Spieltechnik.

Obgleich oberflächlich gehalten beschreibt der folgende Auszug einige dieser Punkte der Klavierspieltechnik:10981811_981691348530146_7078279884201182637_n

…..eine Art GLEITSYSTEM.  – – Ahah!

Dieses Gleitsystem, in einer richtigen Weise ausgeführt, ist doch für die meisten Pianisten immer noch ein Novum.

Man könnte sogar meinen, es wäre gar nicht vorhanden, nicht angewandt.  Der“lange Hebel“ bildet die Voraussetzung für die Funktionalität dieses Gleitsystems, ohne ihn geht da nichts. Wer dieses Gleitsystem nicht zu bedienen weiß, hat davon nichts verstanden. Eine Grundregel sei hier einmal verraten: Der Daumen gleitet heraus, der kleine Finger hinein auf seiner Taste inklusive der davorliegenden und nachfolgenden Fingertongruppen, es geht wegen dem Daumen gar nicht anders herum. Finger dabei flach halten, eben gleitend. Da die Methodik der Klaviertechnik historisch hierfür noch keinen geeigneten, unmissverständlichen Terminus gefunden hat, ist dies weitestgehend auch praktisch wie inhaltlich verloren gegangen. „Auf den Tasten gleiten“ kann akzeptiert werden. Es ließ sich wirklich kein Begriff hierfür finden.  Da diese Gleittechnik außerdem noch „den langen Hebel“ voraussetzt machte die Sache nicht leichter. Der „lange Hebel“ entsteht wiederum über ein inneres Hören. Dieses „Innere Hören“ eröffnet sich einem nur durch einen beruhigten Geist, welcher ausschließlich oder in erster Linie der MUSIK zu dienen hat.

Terminus: ROLLUNG ist ein fortwährend sich bewegtes Gleiten, Rutschen, Finger flach gehalten(!), gerade tastenauswärts/tasteneinwärts, ausdrücklich ohne(!) seitlichen Ausweichbewegungen, z.B. des Ellbogens, nicht kreisend und rudernd!

„Weitester Oberarm! Weite Schultern! Den ganzen Arm durchlaufen lassen…..Daumen und kleine Finger dürfen keinen hemmenden Druck auf die Tasten ausüben – also nicht hängen bleiben! …nie mit dem Auge kontrollieren, dadurch wird sofort das bewusste Hören unterbrochen…“, u.s.w.

entnommen aus Beata Ziegler: „Das innere Hören/Gedanken zum inneren Hören“

https://www.musikverlag-zimmermann.de/ziegler-beata/

Die ROLLUNG spielt bei Bach kaum eine Rolle, der lange Hebel am Cembalo schon..

Der bare Unsinn, der über Klavierspieltechnik seit neuem auch in den Medien und sozialen Netzwerken verbreitet wird, und das auch von Lehrbeauftragten der Hochschule, ist teilweise himmelschreiend. Falsche begriffliche Implikationen, die nie explicit gemacht wurden. Eine „Welt“, die auf dem Kopf zu stehen geruht, stellt sich da der Pianistenwelt entgegen.

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Schnell läuft eine/r Gefahr als arrogant abgestempelt zu werden, bemängelt er/sie dies als Mißstand heute üblicher Geisteshaltungen. Eine allüblich herrschende Sprachlosigkeit bemächtigt sich der angehenden Musiker/innen. Diese Tendenz macht vor keiner Landesgrenze halt.  Der geschlossene Kreislauf einer standartisierten Sprachlosigkeit wird so immer wieder neu geschlossen und somit auf lange Sicht unvorteilhaft tradiert werden. Übrig bleibt bestenfalls eine latente Sprachverwirrung unter Pianisten/innen und Klavierpädagogen/innen. So sieht jedenfalls die momentane Lage aus.

In den Klavier-Methodikseminaren an Musihochschulen sollte das Wecken des Interesses an einer einheitlich fundierten, konzeptionellen Fachsprache, Terminologie der Pianistik an erster Stelle stehen. Auch hierzu hat Prof.Elgin Roth einen bedeutenden Beitrag geleistet, einen Beitrag, der die sprachlose Klavierwelt zumindest aufhorchen lässt.

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Beide Buchwerke übertreffen alle bis auf den heutigen Tage erschienenen, neuzeitlicheren Werke der Klaviermethodik.. und sind in absehbar kurzer Zeit, wieder neu aufgelegt, im Handel erhältlich.

http://www.wissner.com/product_info.php?products_id=4607

http://www.wissner.com/product_info.php?products_id=4420

(Fortsetzung erfolgt laufend!)

Wiederentdeckung der pianistischen Einfachheit