KLAVIERSPIElKUNST und – Technik

von Ivo Csampai

Musikalische Früh/verziehung bis instrumentale Fort/verbildung.

(Gute Musik wirkt ewig.)

Selbst bedeutende Pianisten/innen der Vergangenheit, insbesondere der Gegenwart benützen ihren weltweiten Bekanntheitsgrad, um sich Karriere-Vorteile zu schaffen gegenüber ihrer Konkurrenten, indem sie versuchen neben einer erfolgreich vollzogenen Bühnenkarriere auch als professionale Botschafter der Musik und des eigenen Instrumentes sich in Szene zu setzen, somit sich ein unangefochtenes Denkmal für ewig zu verschaffen, dies allerdings in kurioser Weise meistens unklug und für deren Schülerkreise verhängnisvoll falsch, ja fatal sich auswirkend. Ein echtes Kunstverständnis des Klavierspiels ist heute als Mangelware nicht zuletzt auch klavierhistorisch begründbar –  die fälschliche Kultivierung der methodischen Missverständnisse, auch epochal, nahezu unüberwindbar.

Carl Philipp Emanuel Bach


Schon vor Zeiten Carl Philipp Emanuel Bachs galt es als höchstes Ideal ein cantables Spiel zu kultivieren, einen singenden Klavierton und -klang klavierspieltechnisch zu erzeugen und zu entwickeln. Wie aber ? – blieb bis auf den heutigen(!) Tag die alles entscheidende Gretchenfrage und wird es auch immer bleiben.. es ist nicht nur eine „Reise vorwärts“,  es ist auch eine Reise „rückwärts“  –  eine Reise in die Ewigkeit – in die Musik selbst und ihrer Meisterwerke? 

Sie begannen mit der Aufstellung eines IDEALS (eben des oben schon beschriebenen), dass der Klavierton weich wie kernig zu singen habe…..und in seiner entsprechenden Dauer und Wertigkeit auszuhalten, auszuhören sei… ähnlich einem Streichinstrument (Bogeneinteilung) oder dem Gesang (Atemstütze).                                              Klaviersignifikanter noch: Dass die zu spielende Noten entsprechend ihrer vollen Wertigkeit vom ersten Moment des Erklingens im Voraus(!) klangvorstellungsmäßig anzugeben seien und dies nicht nur einem natürlichen Legato gegenüber, sondern auch einer Plastizität des mehrstimmigen, mehrdimensionalen Klavierklanges zuliebe, egal ob auf einem historischen Hammerklavier ..

hammer
hammer1

       ….. oder auf einem Steinway heutiger Zeit ausgeführt.  

Das Klavierspiel ist insofern auch schwieriger, ja anspruchsvoller, als jedes Musikinstrument, da kein Bogen bewegungs-technisch zur Verfügung steht, wie bei den Streichern, welche übers Klavier fälschlich das Gegenteil zu behaupten pflegen, indem sie glauben, es wäre dadurch unvergleichbar „leichter“. Auch keine Atemluftsäule des Bläsers scheint notwendig. Welche Tonerzeugungs-Nähe ist denn gegeben am Klavier in Bezug auf den körperlichen Kontaktpunkt? Die nackte, kalte Taste, darüber hinaus noch das Pedal, die Pedale. Selbst das Vibrato ist nicht möglich. Nein – viele Streicher irren sich oder haben darüber doch wohl noch zu wenig Ahnung. (Gleichermaßen vergöttern sie Lang Lang, logisch, nicht?!)

Das lächerliche Virtuosengehabe heutiger Konzertpianisten/innen schreit förmlich zum Himmel und gilt eher als geschmacksverirrende Egoshooter-Manier, denn als kompetente Klavierspielkunst.
Wer je einmal tiefer hineingeraten sollte in den Pool der aktiven Pianisten und Klavierpädagogen, wird sich wiederfinden in einem TOHUWABOHU unterschiedlichster Halbwahrheiten, welche das künstlerische Klavierspiel anbelangen.

Schnell wird klar: Heute wird nicht einmal nur der „Versuch“ unternommen eine „wahre Art des Klavierspiels“ zu formulieren, so wie etwa schon vor mehreren hundert Jahren sich C.Ph.E.Bach bemühte diesen Versuch zu unternehmen. Unwissenheit aus Ignoranz gegenüber bestehendem Wissen ist heute Tagesordnung und wird an Musikhochschulen, besonders in Meisterkursen sogar weiter noch verbreitet. – Achtung! Verletzungsgefahr!!

„Nur wäre es zu wünschen, daß die Unterweisung auf diesem Instrumente hin und wieder etwas verbessert, und das wahre Gute, welches, wie überhaupt in der Musik, also besonders auf dem Claviere noch bisher bey wenigen anzutreffen gewesen ist, dadurch allgemeiner würde.“ 1753

Wie schon seit Bachsohn: Die Scharlatane hatten seitdem und haben nach wie vor leider immer wieder stets das Sagen. In der immerwährenden Minderheit sind diejenigen, welche unverbildet ihren eingeschlagenen Weg zu gehen bereit sind, ungeachtet der allgemeinen Ver(w)irrung um sie herum.  Selbst ein Chopin stufte die Tonbildung vorrangig dem Studium der Geläufigkeit spieltechnisch ein und wie recht hatte er damals schon. Heute spielt doch allerorts oberflächliche Geläufigkeit eine größere Rolle, dies wünschte er zeitlebens wohl auch zu verhindern.

Frederic Chopin


Die „allgemeinen“ Missverständnisse hierüber und deren Vergiftungspotential (Gidon Kremer) wirken sich aktuell heute ohnehin schon kritisch in allen wichtigen Bereichen des Musikbetriebs weiter aus (Tohuwabohu). Das Chaos kann kaum perfekter sein! Eine „wahre Lehre der Musik“ und deren adäquate Ausführung ist heute mehr denn je gefährdet, nicht alleine die der Instrumente!

Oberfläche obsiegt – Sensibilität verliert

Die Ausbildung zum Pianisten/zur Pianistin* (und andere Musiker) ist mehr als nur lückenhaft und zu sehr einer spielerischen Spontanität (Wilder Reiter) geopfert, weniger einer rezeptiven Spielform geschuldet.

„Musikwettbewerbe sind etwas für Rennpferde, nicht für Musiker“, schrieb einmal Béla Bartók. Und dennoch wird die „heilige Kuh“ des Musikbusiness nicht einmal angetastet. Das Musik-Business fördert damit die Kunstlosigkeit, den Sport der „Musik“, eben den sportiven Moment, nichts weiter. Empfindungsqualität Privatsache. Auch die größten Talente wurden und werden so schief gewickelt, schon von klein auf lückenhaft ausgebildet – alles läuft trotzdem unter der Bezeichnung „Musizieren“ u.v.m.

Verziehung statt Erziehung – Leerwerk statt Lehrwerk

Von den hundert bis tausend Klavierschulwerken, die den heutigen Markt gnadenlos überschwemmen, können sich vielleicht nur eine oder zwei als echte „Schule“ bezeichnen, alle anderen sind verkappte Klavierstücksammlungen, welche sich „Klavierschule“ kaum nennen dürften und ohne spürbare Methodik sind, von Didaktik kaum zu reden. Die Verwässerung der methodischen Termini allein hat Methode, wie man so schön sagt. Eine einheitliche Terminologie, eine klare Sprache sogar innerhalb der Fachkreise scheint heute (2019) immer mehr noch aus den Fugen zu geraten. Und was geben wir unseren Schülern weiter, den Freiheitsbegriff dabei fälschlichst bemühend?

Etwa: Anything goes? – Alles ist möglich?

Vorausgesetzt man verfügt über die besten Pädagogen von Anfang an: methodiksicher, unverbildet, verständig, körperbewusst und emphatisch, ganzheitlich und musikalisch gebildet sowieso, doch wo sind sie geblieben? Eine nahezu ausgestorbene menschliche Spezies?

(Ein Bild von Anna Stadler, der wohl erfolgreichsten Klavierpädagogin Deutschlands fehlt noch im Internet)

Die Kunst des Klavierspielens vegetiert weiter global unter einer Haube der kollektiven, methodischen Unkenntnis sowie Ignoranz ihrer Vertreter – Pianisten und Klavierpädagogen*. Daran hat sich bedauerlicherweise nichts geändert und es gilt wenigstens festzustellen, dass sich dahingehend leider auch in Zukunft kaum etwas ändern wird, trotz der herausragenden Reformbemühungen einiger Ausnahmepädagogen* und Ausnahmepianisten der vergangenen und gegenwärtigen Zeit. Wer oder was sollte das aktuell heute noch verändern können? Die derzeit existierenden musikpädagogischen Strömungen, sind sie denn etwa nicht eher dazu geneigt, das defizitär Bestehende weiter und weiter zu tradieren? Wer möchte seine Schwächen, somit seinen unsicheren, eingefahrenen Standpunkt schon offen zugeben und dadurch seine Karriere oder Stellung eventuell gefährden wollen? Was kümmert jene schon z.B. der fachliche Diskurs unter dem Motto „Die besten Pädagogen an die Musikschulen“? Selbst die „Fortbildungen und Meisterkurse“ versagen großflächig in diesen Punkten unter dem Motto Musikalische Frühverziehung bis „Instrumentale Fort/verbildung“.

Wie sollte es auch anders sein, wenn die Pädagogik ständig versäumt eine Lehre zu etablieren, welche die Fähigkeit besitzt „in kleinste Münze zu wechseln“?! (H.Bier) Wie sollte es anders sein, wenn unzureichende Pädagogik plus unzureichende Methodik es zum Standard macht, von Außen nach Innen, eben nicht von Innen nach Außen zu agieren, Häuser von Oben nach Unten zu bauen, also Dächer auf nicht vorhandene Mauern zu errichten, eben nicht von Unten nach Oben ?? Man kann vom Großen zum Kleinen nur dann erfolgreich gehen, wenn man vorher vom Kleinen zum Großen bereits gegangen ist. Am Ende kommt dabei jenes heraus, was wir heute als Konzertbesucher dann auch noch über uns ergehen lassen, wie man so schön sagt „konsumieren“. Woher sollen den Musikhochschulen dieses denn alles wissen? Es ist Realität: Sie wissen es nicht. Und werden es auch nicht erfahren! Bei soviel Verblendung und Farblosigkeit ist es nicht zu erwarten, dass Musik-Hochschulen Farbe bekennen. In einem TOHUWABOHU vielleicht schon – höchst unverbindlich!

Ein Versuch über die wahre Art ein Instrument zu spielen, treffen Suchende hier wie dort jedenfalls in seltensten Fällen nur an.


Es ist nur an zwei Händen abzuzählen, welche herausragenden Pädagogen des künstlerischen Klavierspiels „anders geartet“ ihre wertvolle Arbeit machen, die Details studiert haben, dadurch methodisch kenntnisreich in praxi sind. Dies ist leider gesehen der einzige Ausblick, welcher einen immerhin sehr vagen Hoffnungsschimmer offen noch ließe! Und es sind ja nicht nur die Ausbildungsstätten, es sind vor allem die Künstler auf der Bühne und Pädagogen selbst, eben der Mainstream dieses sensibelsten Kunsthandwerkes, welcher Unheil stiftet. Eine Epidemie des Unverstandes, weit und breit. Es klafft eine Riesenlücke, sagen wir Wissen- und Bewusstseinslücke, in der Lehre und Ausbildung zum Pianisten, Dozenten und Klavierpädagogen: Das praktische WIE.

Prof. Elgin Roths 12 Ratschläge

Diese zwölf Ratschläge beschreiben kurz umrissen, um was es dabei letztendlich geht und sie sollten u.a. allen Klavierkunst-Ausübenden sowie Klavierpädagogen dringendst ans Herz gelegt werden. Wie beratungsresistent auch immer diese Zielgruppe zu sein scheint, liegt allerdings negativ auf der Hand. Wie einfältig es sich für keinen unbekannten Klavier-„Weltstar“ ausnimmt, wenn er z.B. die Behauptung auf youtube ins Netz stellt, „Es gäbe gar keine Technik“?? Oder ein anderer Star das Erarbeiten der C-Dur Tonleiter auf übelste Weise in einen seiner Videos an dessen tausende von klavierübenden Anhänger direkt weitergibt, öffentlich sich selbst dabei unbeabsichtigt bloßstellend, einfach locker vom Hocker auf dümmlichste sowie falschester Art und Weise dabei verfährt, gleichzeitig seiner Anhängerschaft die Neuerscheinung seiner schriftlichen Klavierschule ankündigt. Vollkommen daneben- ja gefährlich!! – Man wird massenweise mit bester Absicht nur für blöd verkauft! Der Witz dabei ist ja der, dass die Masse das auch noch glaubt was da verzapft wird und für künstlerisch wertvoll erachtet! Wer nimmt denn Anstoß daran, dass Falsches derart sich multipliziert? Vielleicht Gidon Kremer, weil er sein neues Buch verkaufen will und er zufällig Ähnliches oder das Gleiche zu meinen scheint?

Pianisten(Musiker) sowie Klavierpädagogen aller Couleur finden keine gemeinsamen Mysterien, um die es sich lohnt zu kämpfen. Sie finden somit keine gemeinsame Sprache, keine wissenschaftliche, gültige Terminologie. Sie mystifizieren damit das Mysterium, das nach allem anderen verlangt, als immer wieder nochmals fälschlich mystifiziert zu werden. Das führt in die Sackgasse, in der sich die Pianistik sowie Pädagogik heutzutage befindet! Die Sehnsucht nach einer Klarheit ist immer jedoch groß und die Spiritualität bleibt maßgeblich, nachgerade in der Kunst des Klavierspiels – der Geist.

Ein Geist, kundig der methodischen-pädagogischen, sprich feingliedrigen, zusammenhängenden Vorgänge innerhalb der praktisch handwerklichen Ausführungen – eben dem spezifischen WIE.
Diese Weise der Tonbildung und des geistigen Klangvorstellung-Vermögens am Instrument ist immer noch nicht allgemein bekannt (siehe oben!), selbst unter Fachleuten nicht, geradezu unter Pianisten nicht!

„..denn Ziererei erscheint,.. wenn sich die Seele (bewegende Kraft) in irgendeinem anderen Schwerpunkt befindet, als in dem Schwerpunkt der Bewegung.“ (Kleist)

Aus falscher Ziererei kann nur eine“falsche Spieltechnik“, eben keine Natürliche hervorgehen, gleichermaßen aus einer zwanghaft exaltierten, gestisch ununterbrochen die Musik kommentierenden Spieltechnik wird sich das „Wahre“und Authentische in der Musik nicht wirklich gewinnen, nicht glücklich schöpfen lassen.

Friedrich Rabl

Spieltechnisch gesehen führt dieser von Friedrich Rabl geäußerte Satz genau in die richtige Richtung. Die Modifizierung und Variabilität der zu spielenden Klaviertöne ist während des Erklingens durch nichts anderes zu beeinflussen und verwirklichen als durch das bewusste Zuendehören und AUSHÖREN der von der ersten Sekunde angegebenen Klangdauer, dem Notenwert, steht eine Pause danach, ist sie mit einzubeziehen – fachterminologisch als NOTENWERTANGABE bekannt, bzw. immer noch nicht genügend bekannt unter den Ausübenden, ob Musikschullehrer oder Hochschulprofessor. Das pragmatische Wissen über die Notenwertangabe sowie über das Aushören dürfte ……. als zentral signifikantes „Know how“der Klavierspielkunst zumindest in den weitesten Fachkreisen der Pianistik leider völlig ins Abseits geraten zu sein. Ein blinder Fleck innerhalb der Ausbildung, auf der Konzertbühne etc. ..ein immer noch unentdeckter Makel unserer Zeit, für immer verloren? Es betrifft ja weitestgehend alle aktiven Musiker und Pädagogen* – die methodisch praktische Unkenntnis, somit ein fehlende Bewusstsein hierfür.

Fr. Chopin forderte, dass die Qualität des Tones, die Tonbildung vor dem Studium der Geläufigkeit gelernt sein muss.

Eines der sicherlich wichtigsten Bücher für Musiker/Pianisten/Klavierpädagogen/Studenten, ebenso das folgende Buchwerk.

Die Tonbildung am Klavier bleibt das zentrale Thema einer natürlichen Klavierpädagogik und deren Klavierspielkunst, dem INNEREN HÖREN

Das „Innere Hören“ steht zuerst als Titel und Bezeichnung einer im besten Sinne didaktisch lückenlosen Schulung des natürlichen Klavierspiels von Stufe Eins bis Unendlich, und dies seit vielen Jahrzehnten mit nachweisbar vollem Erfolg.

Im Anfängerunterricht wird bereits in den ersten Stunden eine solide Basis gelegt, die im fortgeschrittenem Stadium mit Leichtigkeit eine „große“ und immer umfangreichere Spieltechnik erlangt, welche zeitlebens auf gefestigten, ganzheitlichen Pfeilern ruht und weiterhin unendliche Entwicklungschancen für den Lernenden garantiert. Die differenzierte Variabilität der klanglichen Tongebung ist das Herzstück dieser weltweit einzigartigen Ausbildung sowie ihrer Spieltechnik.

“ Die Tonbildung am Klavier „

Das zentrale Thema einer natürlichen Klavierpädagogik und deren Klavierspielkunst, dem INNERE HÖREN, zur Vermeidung der Irrwege heutiger Klavierpädagogik und Pianistik, bzw. ihrer epochal anhaltenden Ignoranz.

Mir ist noch kein Pianist* und Klavierpädagoge* begegnet, welcher nach einer praktischen Einführung und Unterweisung selbst im fortgeschrittenen Alter sich nicht überrascht und überzeugt zeigte, begeistert alles dafür geben würde die Grundlagen des inneren Hörens noch hinzuzulernen, bzw. umzulernen. Es handelt sich schließlich um eine Spielweise, eine Spieltechnik, die in jedem Musiker* von Natur aus als Anlage individuell vorhanden ist, jedoch grundlegend in praxi am Musikinstrument von der Musiker-Allgemeinheit noch nicht fachkundig genug im innersten Wesen erschlossen wurde. Die Tür hierzu steht einladend weit offen, doch Musiker*, Bühnenstars oder Lehrer, gehen an ihr unwissend vorüber. Die Pädagogen des inneren Hörens dagegen wissen, wovon sie signifikant zu zeigen und sprechen bereit sind, wenn es um das innere Hören innerhalb der Musik geht. Eine Musik, die ohne inneres Hören auskäme, wäre keine Musik. Folglich ist das Erschließen einer einfacheren Mozart Sonate ohne dem eigentlich nicht möglich, weder für einen Musikabiturienten noch für Lang Lang. Das Dilemma liegt somit wieder einmal auf der Hand. denn gespielt werden Mozarts Sonaten trotzdem!

Ob es dann die wunderbaren Mozart-Sonaten sind und nicht eher „Lang Lang-Mozart“-Sonaten, liegt wiederum auch auf der Hand. Man dient in erster Linie den egoistischen Eigeninteressen und nicht den Interessen von Mozarts Musik. das Gift des Kommerz hat die klassische Musik um ihrer wahren Wurzel und Quelle beraubt, so wie die „Topp-Leute“ heute Klavier spielen. Auch dies ist deutlich hörbar. (Herr Lang Lang ist nur eines der auffallenden Beispiele, es gibt derer so so viele, sie sind zumindest in der Überzahl.) Mit dem HÖREN ging es die letzten Jahrzehnte unter Musikern jedenfalls drastisch bergab.

Je weniger du am Instrument schaust und machst und tust, desto besser wirst du hören, somit auch besser spielen.

Aktivität in einer nicht tuenden Weise > Activity in a non doing way (F.M.Alexander-Technik)

ITS IN THE INNER EAR
“I think technique is the ability to produce what you want. The presupposition is that you want something. So before going to the piano and practicing, training your muscles, which is a waste of time. Because it’s not in the muscles, it’s in the brain, it’s in the inner ear. You have to hear – Schnabel used to say it all the time – you have to hear before you play. If you play before you hear what you’re going for, it’s an accident, and everything is built then on an accident.”
Leon Fleisher

Kurz und knapp gesagt: Wir spielen und verfeinern unsere Spieltechnik allzeit nur so. als wie wir unsere Qualität des inneren Hörens während des Spielens verbessern, tonliche Idealität erzeugen. Dies ist die größte Herkulesaufgabe, gemessen an den vielen Komponisten, deren unzähligen Werke wir angemessen zu erzeugen versuchen, auch text und charaktergetreu wiederzugeben haben. Schließlich klingen Haydn-Töne anders als Mozart-Töne, Beethoven anders als Schubert-Töne, usw. – Der Ton macht die Musik.

Tonwert und Dauer, der charakterliche Klangkern, seine Farbe und Dynamik, alles wirkt ineinander, Tonhöhe stammt direkt vom Komponisten, willkürlich anarchistische Eingriffe des Spielers oder Interpreten weichen einer vieldimensionalen Klangkultur, welche ihresgleichen sucht.

Erhören, als ein ausgestorbenes Hör-Wort innerhalb der heutigen Umgangssprache meinte so etwas wie „empfangen“ und „sinngemäß richtig lesen“, beziehungsweise „verstehen“ – langsam immer mehr oder tiefer verstehen. Die Klavierpädagogik sollte noch tiefer gehen. 
Dorthin, wovon heutige Pianisten weit entfernt sind und ohne jegliche Anleitung kaum hinfinden werden können. Es kommt darauf an, WIE ich den kürzesten Weg gehe. Dieses Wie und Wodurch ist der kürzeste und natürlichste Weg.

Sicher, es gibt wenige kompetente Lehrer, sie sind womöglich sogar kaum unter den Hochschullehrern zu finden, unter den Pianisten noch weniger – zu hoher geistige Kontrollverlust – der Willkür überlassen, sogenannte „Selfmade-Pianisten“, die glauben das Rad neu erfunden zu haben, manchmal zu theatralisch oder clownig von ihrem ungenügenden Nachvollzug ablenkend. In ungezügelter“ Hau Rein- Menatlität“ erobern sie die Bühnen der Welt, wenn das alles auch noch in „untrüglicher Sicherheit“ abgeliefert wird, ja dann, dann gelten sie schon als aufstrebende Weltpianisten. Zuviele gibt es davon schon auf dem momentanen Markt und die Klassikbranche höhlt sich selber aus, wenn sie das nicht mehr erkennt. Es ist einfach, dies zu durchblicken.

Aus welchen Gründen auch immer die Musikbranche in ihrer Wertschöpfung sich selbst hat korrumpieren lassen, die Musik lässt sich dennoch nicht korrumpieren und so müssen sich gerade die Prominenz der Musiker fragen lassen, in wie weit ihre eigene Musik schon verinnerlichte Züge dieser „Korrumptionsversuche“ klanglich negativ bereits in sich trägt, sich somit ausgeprägt und dezimiert hat. Diese unvollkommen vorgetragene Musik setzt man dann dem Publikum vor und wir beklatschen es…. ..ein wenig wie die Affen.

Während in den Achzigern des letzten Jahrhunderts führende Klavierpädagogen in Bayern (siehe Bild!) ein Umdenken unter den Klavierkünstlern und Pädagogen anmahnten und auf ihren Reform-Gegen-Kursen einforderten ist es nur zehn Jahre später immer mehr bis auf den heutigen Tag zu einer Art Stagnation der Lehre, Methodik und Kunst des Klavierspielens gekommen.

Durch Ignoranz und Unverständnis gegenüber einem Methodik-Wissen, welches sich bemüht die Dinge beim richtigen Namen zu nennen und zu benennen und Zusammenhänge aus der Praxis des Spiels und einer über dreihundert Jahre wirkenden , mitunter auf Abwegen befindlichen, teils hintergründigen, jedoch fortschreitenden praktischen Lehre wie Historie begreift, konnte diese Stagnation erst entstehen. Selbst eine EPTA stellte mitunter in Kongressen hochkarätigen Kritikern der bestehenden Verhältnisse kurzerhand das Mikrophon ab, wenn jemand als vortragende Redner auf der Bühne die Übel beim Namen nannte.

Keinem Klavierstudenten darf es egal sein, aus welcher Methodik-Ecke sein Lehrer abstammt, denn daraus entnimmt der Kundige wichtigste Informationen über Art und Weise der jeweiligen Unterrichts-Methode und Philosophie seines Dozenten. Der errungene Studienplatz sagt erstmal nichts darüber aus, welche Studienjahre da noch bevorstehen, ob die Klarsicht und Kenntnis seines Lehrers einem passend erscheinen, einen aufbauen und ausrichten können hinsichtlich des Erwerbs einer zukunftsgerichteten glücklichen Spieltechnik, welche auch praktisch körperorientierte Einsichten vermittelt in die wahren Zusammenhänge des künstlerischen Klavierspiels. Tut sie das nicht oder nur kaum, wäre es ratsam den Lehrer zu wechseln.

Die Ratlosigkeit, Verdrängung und Ignoranz ist in punkto „Natürliche Klavierspieltechnik“ kaum noch zu überbieten und treibt jene, die es als anerkannte Coordinations-Genies des Klaviers in Konzerten und Wettbewerben in der Gunst des Publikums am Weitesten gebracht haben, bis an den Abgrund gnadenlos weiter. Dabei verlieren diese einen entscheidenden Teil ihrer Selbst gerade in einem Alter, in dem ihnen eine fortführende, coachend betreu- ende Begleitung an die Seite gestellt werden sollte, ja müsste ! Helfende Ratgeber, welche die entscheidende Arbeit leisten (und noch besser!), die „gestandene Professoren“aus welchen Gründen auch immer nicht mehr leisten. .

„Das Ganze ist mehr, als die Summer seiner Teile“ (Aristoteles)

Spricht man vom richtigen Weg, so meint man „den richtigen Weg“.

Oder von Aristoteles abgeleitet, der richtige Weg ist mehr, als die hart umkämpfte Vielfalt der Zugehens Weisen, oder die Summe seiner Teilschritte. Es gibt ihn, obzwar keinesfalls jeder Teilschritt einen auf den richtigen Weg hinweist oder automatisch hinführt. Der Hinweis, dass dieser, der richtige Weg, auch der „kürzeste“ wäre, kann einen immer wieder neu verblüffen. Ob allerdings der Umkehrschluss hilfreich ist, möchte ich nicht unbedingt unterstreichen. Mit „kürzeste“ meint jener Hinweis wohl, es gibt ihn, den richtigen Weg.! Der Zeitraum des Lernens und Umlernens stellt diesen Weg dar. Es ist ein, im Ganzen gesehen, musikalisch überprüfbarer, die Spieltechnik betreffend schrittweiser wie lückenloser Weg, ein auf natürliche Weise des inneren Hörens stets aufbauender Prozess des Lernens durch Hören. Explizit stellt derart das innere Hören diesen kürzesten Weg insbesondere unbedingt dar. Alles bleibt ohnehin „mein Weg“.

Erwartungshaltung der Zuhörerschaft gegenüber eines Klavierkünstlers vor und während des Konzerts – von Könnern, Kennern und Nichtkönnern


loriot

Es gibt grob vereinfacht 3 verschiedene Kategorien innerhalb des Publikums:

 

> Könner (vorne links)

> Kenner (vorne mittig)

 > Nichtkönner (Reihe 2)                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           

Diese 3 Archetypen sagen erstmal nichts direkt über die spezifische Wahrnehmungsfähigkeit des einzelnen Rezipienten aus.  Auch Könner können“gekonnt“ hochkarätig irren,

… während Nichtkönner in der Einfachheit ihres Verständnisses die musikalische Auslegung des Pianisten eventuell natürlicher nachvollziehen und begreifen.

Nach dem Motto: Je mehr eine/r kann, desto tiefer kann er auch irren, bzw. fallen.

Deshalb tun sich allgemein Nichtkönner auch leichter.  Sie urteilen nach einem Gesamteindruck, oft sehr wahrheitsnahe.

Ein Könner hat dagegen viel mehr fachliches Wissen zu „verwalten“ und sucht Differenzierung.

Kenner sind meist sehr zurückhaltend in ihrer Beurteilung. Wie die Nichtkönner streben sie nicht(!) nach einer allgemein gültigen Wahrheit und geben sich beton unvoreingenommen.

…. im Gegensatz zu Könnern, welche die Urgestalt einer jeden Komposition verwirklicht hören/sehen wollen und die handwerkliche Spielweise des Pianisten zu verstehen trachten, zumal wenn sie selbst den Klavierlehrerberuf aktiv ausüben.

Könner, selbst in praxi pianistisch tätig, bemühen ihr analytisches Wahrnehmen so wie es Juroren im Musik-Wettbewerben tun, wenn auch  mit mehr Erfolg als Juroren.

Wie gesagt, der Irrwege gibt es genug, gerade unter den Könnern!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Klavierspielkunst und deren´Schulen´

                                 pi                                       

 UNBESCHRITTENE WEGE   –    KLANGKULTUR AUF ABWEGEN!

Die Ausbildungsschulen des künstlerischen, klassischen Klavierspiels unterscheiden sich im Großen, erst recht im  Kleinen kaum voneinander.  Trotz nach einem, auf den ersten Blick vielfältig unterschiedlichen,  jedoch nach genauerem Hinsehen,  sich nur bemühend um ein äußerliches Erscheinungsbild einer methodisch „möglichen“ Lehrweise (Didaktik), versuchen sie sich auf dem hart umkämpften Markt unter- und voneinander abzugrenzen. Diese alle zusammen bilden die Pianistinnen und Pianisten von Morgen aus, darunter auch Klavierspiel-Akademien jeglicher Art, nicht nur die sagenumwobenen Musikhochschulen – auch hier scheint die Masse standardmäßig das (träge) Sagen zu haben. Die fälschliche Sorge um einen Verlust der angeblichen(?) Vielfalt einer individuellen Spielweise, wie auch deren methodisch „unterschiedlichen“ Herangehensweisen musikalischer Natur, scheint nur vorgeschoben zu sein, um normativen, notwendigen Erkenntnissen leichterdings aus dem Wege zu gehen! Hiermit wird jedoch genau das Gegenteil bewirkt, alle spielen ähnlich unvollkommen. Warum?  Weil klaviermethodisch normative Erkenntnisse bisher kaum interessierten und deshalb auch geistig wie in praxi spielerisch quasi unbewusst geblieben sind.  Um der Spontanität des unbewussteren Spiels Willen, wird auf rezeptive Spielhaltung fast gänzlichst verzichtet. Ja, wie ist es denn um die rezeptive, klangfördernde Haltung des Spielers in Wirklichkeit bestellt?  Ein vielfach einziges Heischen nach „interpretatorischer“ Individualität, gleichgestellt mit „tatsächlicher“, leider fälschlich angenommenen Freiheit, nimmt den Großteil des Raumes ein, kaum mehr.  Schnelles, „sicheres“ Auswendiglernen und tempobetont schnelles Spiel meist als einzige, gewalt(tät)ige Herausforderung an die Gedächtnisleistung –  Klangkultur auf Abwegen!

ang

 

„Musikantentum am Klavier“ ist eine wichtige Errungenschaft heutiger Ausbildung.    Was, wenn eine übergroße Mehrzahl dieser Pianisten und Klavierspiel-Ausbilder unter Druck der beruflichen Vermarktung samt Ausbildung ein eigenes nach klangtechnischen Prämissen orientiertes Spiel sowie Technik unbeispielhaft und unvollkommen weitergeben auf der Konzertbühne oder im Unterrichtsraum und alle es dem gleichtun? Dann bleibt dies als der Mainstream und als Verkümmerung der allgegenwärtigen klassischen Klavierspielkultur inklusive seiner Scheuklappen nur noch übrig, eine Art geistige Digitalisierung unerworbener Fähigkeiten, eine zu geschlossene Schranke,  um in natürlicher Weise zu einer idealen Klangrealisierung am Instrument Zugang zu finden – wie schon beobachtbar über Jahrzehnte hinweg. Eine künstlerische Beispielhaftigkeit für zukünftige Generationen bleibt fast ausgeschlossen, mit seltensten Ausnahmen einiger Wenigen.   Unbeschrittene Wege, die zu gehen vorhanden wären, aber leider unbekannt geblieben sind, verhindern aktuell immer mehr die Idealhaftigkeit der klassischen Klavierspielkunst, allerorts.

Die Wiederentdeckung der Einfachheit, mit ihr die höchsten Errungenschaften der Klavierspielkunst ein Unding? Unter den vorherrschenden Bedingungen, der wenig geeigneten, oftmals ganzheitlich fälschlichen Lehrinhalte sicher ja. Man achte nur einmal auf die habituel exaltierten „Ausweich“-Gebärden der meisten Klavier-Hochbegabungen auf öffentlichen Konzertbühnen! Unter den Stars ergibt sich dasselbige Bild, der selbige defizitäre Klavierklang. Nicht die Bewegung ist es, die den idealen Klavierton erzeugt, sondern es ist der Geist, die ideale Klangvorstellung (der Geist) und deren analog spieltechnisch beste, ideale Umsetzung (das Körperbewusstsein/die Klavierspieltechnik) .

Motto: Technik ist die Vermeidung aller überflüssigen Bewegungen.

Der Schlüssel aller großer Klavierspielkunst liegt im rechten Hören, einem inneren Lauschen, einem inneren Hören, so wie es einst Beata Ziegler formulierte. Dieses Hören umfasst das damit einhergehende Wissen, in erster Linie das spieltechnische Bewusstsein um die klangentfaltenden Möglichkeiten des Klaviers. Genau diese werden nirgendwo im rechten Sinne gelehrt. Sie werden nur erahnt, jedoch nicht didaktisch als praktische Kunst gelehrt. Praktizieren kann es jeder nachdem er/sie es gelehrt bekam. Das Gros der Pianisten/innen weiß leider nicht viel darüber. Und das Publikum dadurch noch weniger. In der Schule hätte man nachsitzen müssen, um das Versäumte aufzuholen. In der Pianistenausbildung drängt ein jeder auf die Konzertbühne ohne dieses spezielle Bewusstsein, welches jedoch das Pianistische geradezu ausmacht.

Sollten nun denn alle Klavierkünstler, ob Pädagoge oder nur Künstler, nachsitzen? Meine Antwort wäre ein Ja, nicht alle, aber der überwiegend große Teil, darunter auch die Bekanntesten. Die Angelegenheit wäre schnell vermittelt, in einer Art Fortbildung, derer man sich unterziehen müsste, klavierspieltechnisch gesehen. Ob man danach seine Spielweise ein wenig umstellen müsste oder nicht, bliebe einem selbst überlassen.

Zuviel Angst ist im Spiel seine angebliche „Individualität“ verlieren zu können. Pianisten sind sensible Wesen! Sie wollen sich niemals verbiegen lassen. Dies führt zu einer Wiederentdeckung des Rades, des eigenen Hamsterrades sogar! Deshalb sträuben sich selbst Weltstars neu hinzu zu lernen – wie schade! Professoren der Klavierspielkunst sowieso, sie sitzen fest und stempeln alle als arrogant ab, die es besser wissen könnten!?

Das hat wieder dieselbe Methode, Scheuklappen aufsetzen! Jene Scheuklappen, die das innere Hören und dessen Klangkultur außer Kraft setzen! Dabei wäre es nicht allzu aufwendig, Neues hinzu zu lernen.

12575816_10207291130171186_915785201_n

Somit wird selbst die Unlust Neues hinzu zu lernen von Studentengeneration zu Studentengeneration unreflektiert weitergereicht.  Alles nach dem fälschlichen Motto, das Pianistenleben wäre zu kurz, um Neues zu erlernen. Nämlich: Ausgleich (Ballance), statt Ausweich(Exaltiertheit)! Also zweite Wahl, kaum die erste Wahl – so auch deren „Klavierspielkunst“!

Im Jazz wird es als „mit gezinkten Karten spielen“genannt, wenn eine/r nicht wirklich  frei spielt. Friedrich Gulda spielte echten Jazz dagegen – er konnte beides! Doch auch ein Genie wie Gulda, hätte womöglich profitiert. Sicher hätte er das! Auch ein Brendel hätte profitiert, vielleicht wollte er nicht mehr? Zuviel Erfolg macht blind, besser gesagt taub!

Die Wiederentdeckung der Einfachheit scheint keinesfalls einfach zu sein, wenn es um Offenheit und Transparenz des Pianisten geht. Die Pfade hierzu sind gelegt, wir müssten nur wieder dahin gelangen und sie neu beschreiten.  Jeder Tag ist ein neuer Tag,“ wir alle sind Anfänger“, sagte mir einmal ein mit der japanischen Tempelmusik vertrauter Großmeister des Shakuhachi-Spiels im Garten des Zenklosters.

Rezeptive Haltung erfordert geistige Durchdringung, allen praktischen Anforderungen gegenüber. Spontane Spielhaltung zielt meist auf Gewalt ab, wie das Wort „Anschlag“ schon zeigt. Wir „nehmen“ die Taste, den Akkord, wir „tragen“ den Klang, niemals schlagen oder sinnlos donnern, sonst ist eine differenzierte Kerngebung nicht möglich! Das Wesen natürlicher Klavier-Spieltechnik der individuellen Willkür anheimgestellt!

Es gibt in der Kunst des Klavierspiels basistechnisch nichts Bedeutenderes als die Tongebung. Erst über diese hinaus kann gesunde Klangkultur entstehen und gedeihen. Alles andere ist zweite Wahl und bleibt auf halber Strecke stehen, wie jeder sich selbst davon in den Meisterkonzerten überzeugen kann. Der „singende“Ton“ , der „ausgehörte“ Klang, der“angegebene“ Notenwert, die „liegenden“ Stimmen, „rhythmische“ Pausen, all diese Anforderungen bedürfen einer angemessenen Behandlung , am Vollkommensten durch inneres Hören: Voraushören, Nachhören, Durchhören, Aushören, Zusammenhören etc. Ohne inneres Hören kann Klaviertechnik keine gute Grundlage erfahren und weiterbilden, selbst als Koordination-Genie nicht! Natürlich stößt man auf Ablehnung bei Spielern, welche jedweder Form von „Königswegen“ grundsätzlich misstrauen, doch bei genauerem Hinhören wären die Zweifel wie weggeblasen. Die Plausibilität der „Methode der Methoden“ läge, bzw. liegt auf der Hand.

Stichwort: Artikulation!

 

http://www.pianistika.de

 

 

 

 

Das Wissen um die Einfachheit und das Inneren Hören in der Klavierspielkunst

Wie will man ein  Klavier-Lehrwerk des 20.Jahrhunderts heute noch verstehen lernen, um fachlichen Einblick in die Kunst des Klavierspiels nehmen zu können, wie sie nirgend wo anders aus deren Pädagogik so hervorgeht, als in der Pädagogik von Beata Ziegler und Elisabeth Caland (Ludwig Deppe)?

Unbenannt.JPG
Beata Ziegler

So einfach wie es scheinen sollte ist es scheinbar nicht, denn es ist bekannt, dass Klavierpädagogen/innen und Pianisten/innen sich nicht (!) ausreichend weiterbilden, gerade dann nicht, wenn sie Karriere machen müssen.

Wie jede andere Kunst ist die Klavierspielkunst und deren Spieltechnik ein hochgradig sensibles Unterfangen, wenn es einer Qualitätskontrolle unterzogen wird.  Doch wie genau sind denn heute die Merkmale einer, sagen wir „natürlichen“ oder „idealen“ Klavierspieltechnik zu definieren, dies käme folglich einer Ästhetik der Klavierspielkunst gleich? Wobei doch nebenbei bemerkt Superstars der Szene sich niemals einer noch so trefflichen Ästhetik unterwerfen wollten, aus angeblich „künstlerischen Freiheitsgründen“, um zu kaschieren, an welchem „wunden“ Punkt sie „ausgestiegen“ sind aus dem Weiterlernen auf solider Basis.  Es ließe sich fragen, wieso dann Carl Ph.E. Bach sich nicht zu schade dafür war hierüber nachzudenken und ein mehrere hundert Seiten langes Buchregelwerk mit dem Titel  „Ein Versuch über die wahre Art das Klavier zu spielen“ zu verfassen?

elisabeth_caland
Elisabeth Caland

Es gilt heute also wieder einmal die Parameter in Wort und Tat auszuloten, welche ein hochwertiges, künstlerisches Klavierspiel kennzeichnen und deren Merkmale zu charakterisieren.  Genau dies geschah auch von vereinzelten Personen (siehe Bilder!) des früheren 20.Jahrhunderts. Im späteren Ausgang des Jahrhunderts waren es dann deren Schüler und Pädagogen, die bis in die heutige Gegenwart  dies einzigartige Wissen um die Einfachheit und das Innere Hören in der Klavierspielkunst weiter zu geben trachten.

LudwigDeppe_Alverdissen
Ludwig Deppe

Deckungsgleiche Parameter der „Methode der Methoden“ von Frederic Chopin und Ludwig Deppe enthüllte wie niemand anders zuvor Elgin Roth in ihren beiden, mehrfach ausgezeichneten Büchern.

Die Ahnungslosigkeit vieler heutiger Pianisten/innen sowie Pädagogen ist geradezu himmelschreiend, wie wenig sich „Ausbilder“ und Bühnenstars ernsthaft darum scheren, was die fortschrittlichsten Reformer der Klaviermethodik zu sagen wussten. Deren „künstlerische Freiheit“ bleibt durch mangelndes Wissen und Ignoranz so doch arg eingeschränkt, es fehlt an musikalisch methodischem und handwerklichem Wissen um die tatsächliche und wahre künstlerische Spieltechnik des Klaviers. Doch wenden wir uns ab vom Dreschgehabe heutiger, selbst weltberühmter Pianisten, aus welchen Schulen sie auch immer hervorgehen.    Wenden wir uns besser den Parametern von  Beata Ziegler, Ludwig Deppe,  Elisabeth Caland, Anna Stadler, Elgin Roth, Friedrich Rabl,  Marco Antonio de Almeida u.v.a. zu

Aktuelles zur Klaviermethodik

Created with Nokia Smart Cam

Was wären denn die brennenden Themen einer gegenwärtig innovativen Klavierspielmethodik, welche ihren verlängerten Arm, die Klavierpädagogik, endlich einmal nicht in Verlegenheit brächte? Ist eine Methode nicht wirklich zuerst begriffen, kann sie deren Pädagogik nur äusserst lückenhaft mit der notwendigen Insider-Information (Feedback) speisen.

Also wohin sollten uns klug und verständig gestellte Fragen denn führen, zu welchen Themenkomplexen der Pianistik?

Zu einem „natürlich singenden Ton“ am Instrument etwa? – ….dessen Natürlichkeit auf eine wiederum natürliche Entstehung zurückweist. Ein Wodurch – wodurch entsteht derart Natürlickeit? – man entschuldige mir die Überstrapazierung des noch verschwommenen Begriffes „natürlich“.

Eine glückliche Spieltechnik ist zweifelsohne von Vorteil. Doch wie sieht sie aus – diese „glückliche Spieltechnik“ – was macht sie in ihrem Innersten aus?   Synonym für diese Art Spieltechnik ist meinem Verständnis nach der Begriff  „Kunst des Klavierspiels“.

Ich würde es sogar wagen, eine „Antikunst des Klavierspiels“ als Gegenwartsbewegung hierbei auch in Betracht zu ziehen, einem Art Chaosprozess geschuldetem Zustand, dessen Einflüsse weltweit seine Spuren hinterlassen. Bei eingehenderer Betrachtung sind es die Dinge, die nicht gesagt werden, welche diese Situation so erschwert, dass sie nur als negativ erscheint.  Sprachlosigkeit der eigenen Zunft gegenüber kann nicht fruchten, weder theoretisch noch praktisch.

Fortschrittlich denkende Klavierpädagogen wie Rudolf Kratzert, Marco Antonio de Almeida, die verstorbene Elgin Roth, Maria Leutenstorfer und etliche mehr erkannten Jahrzehnte zuvor schon dieses Manko der gegenwärtigen KlavierMusikausbildung und veranstalteten regelrechte Methodik-Seminare, um gegen das sprachlich begriffliche TOHUWABOHU anzugehen.  Gegen die große Masse „klavierspielender“Menschen hatte man kaum eine Chance, aber die wenigen hundert oder gar tausend Studenten, welchen diese Reformbestrebungen zuteil wurden, verfolgen und beschreiten den Weg auch heute und weiter. An der Sprache spiegelt sich das Bewusstsein wieder und wenn es eine nur ungenügende Sprache gibt, ist auch deren Bewusstsein auf niedrigerem Stand, somit auch deren Spielweise und -Technik.

Alles ließe und lässt sich auch bis ins kleinste Detail im Klavierunterricht oder auf einem Meisterkurs erklären. Warum es kaum geschieht  liegt sicherlich an dem nicht vorhandenen Wissen der großen Masse einseitig  oder gar unzureichend ausgebildeter Pianisten und Pädagogen. Viele Musikstudenten aus dem Ausland strömen nach Europa an die Hochschulen mit dem guten Glauben dort dann, an der Wiege der Musik, das Entscheidende und Relevante zu erfahren, DENKSTE!

Zu fragen wäre, weshalb Dozenten und Pianisten, nicht alle wohlgemerkt, so wenig von Fortbildung halten??  Lieber geben sie ein Konzert mehr, anstatt ihr eigenes berufliche Handwerk  einmal selbstkritisch zu betrachten. Das sind die falschen Allüren, denen Bühnenkünstler gerne anhaften. Die Standartisierung falscher Werte, sowohl technischer wie auch künstlerischer Art werden aus jener Allürenhaftigkeit geboren und an Musikhochschulen weiter generiert. Je mehr Menschen die Einsicht verwehrt bleibt, wie entscheidend wichtig es ist, das eigene „musikinstrumentale Handwerk“ fortan zu entwickeln, dieses fortan zu hinterfragen, fortan zu hinter“spüren“ – zu erspüren, desto weniger tiefgreifend wird sich die gegenwärtige Landschaft der Klavierwelt in seiner Qualität zum Besseren ändern können – ihre wahren Kraftquellen werden allmählich und unmerklich versiegt sein, wenn sie es nicht schon längst sind! So! – In dieser gegenwärtig unstabilen Verfassung scheint die aktuelle Klavierwelt  sich zu befinden. Da verwechselt man die Ausnahme mit der Regel und umgekehrt. Wo es Regeln gibt, werden sie nicht erkannt, und wo es eher keine Regeln geben sollte, werden sie fälschlich und irreführend einstudiert.

Es scheint müßig geworden zu sein, Lehrwerke der Vergangenheit für den aktuellen praktischen Gebrauch auf deren Inhalte abzuklopfen. Das Interesse besteht überhaupt kaum unter Klavierfachkräften, sich gegebenenfalls darauf zu beziehen. Hier wird ein Ego-Kult sondersgleichen an den Tag gelegt. Als ob man das Rad neu erfinden könnte.

Jeder strebt da lieber ohne Aufwand seinem Rentenalter entgegen, sei es darum. Die Materie des Klavierspiels gibt ohnehin genug her, um nicht auch noch auf die Vergangenheit zurückgreifen zu müssen, Herr Klavierprofessor! Köcheln Sie doch ungestört ihr „eigenes“ pädagogisch/methodisches Süppchen, ja so, wie es alle heute tun.

 

 

(Fortsetzung täglich!)

Der „lange Hebel“des Inneren Hörens

Unbenannt (4)

Das spezielle „Pianisten-Gen“ scheint unter studierten Klavierspielern weit verbreitet zu sein, doch nur wenige dieser Pianisten/innen verfügen über den „langen Hebel“, die Verbindung von Körpermitte(Hinterland) und Fingerspitze(Vorderland).  Genau genommen wird er auch ebenso selten gelehrt. Ausschließlich über die Kultur des bewussten Hörens, eines inneren Hörens des Spielers kann dieser sogenannte lange Hebel entstehen und vermittelt werden.

Er garantiert dem Pianisten/der Pianistin spieltechnisch den Krafttransport in Leichtkraft und Ausgeglichenheit (Balance) ausgehend vom musikalischen Impuls.  Charakteristisch ist hierbei ein sehr „leicht“ gefühlter Arm.  Deshalb beginne man bei Anfängern am Klavier auch mit Körperübungen, in denen die Arme flaumfederleicht empfunden werden.

Elisabeth_Caland

Die allerersten Töne am Klavier können auf klangvolle Weise schon von Anfängern erzeugt werden.  Ein „singender Ton“ am Klavier kann so in dieser Art entstehen, ohne Drücken, Schlagen oder Pressen der Tasten.

Die Kultivierung eines natürlich singenden, kernigen Tones sei bei Allem das Hauptziel – gleichzeitig die psycho-physische Realisation des musikalischen Textes.  Das Hauptmanko der Heerscharen von Klavierspielern besteht hauptsächlich auch genau darin, dass sie in erster Linie Bewegungsabläufe mechanisch verinnerlichen ohne eine genügende Kontrolle des inneren Ohres, des inneren Hörens, das an allererster Stelle stehen sollte.  Viele dieser Pianisten/innen gelangen dadurch erst im höheren Alter aufgrund von „Altersweisheit“ zu den wirklichen Erkenntnissen einer natürlichen Klavierspieltechnik, manche tragischerweise gar nicht.

Ob im Konzertsaal, in Musikschule, Musikhochschule oder Privatunterricht – an allen Stellen, auf allen Stufen gilt dieses „Naturgesetz“ der Pianistik und trifft ausnahmslos für alle anderen Instrumentalisten, insbesondere den Gesangskünstler zu. Es bleibt trotzdem ein großer Unterschied, ob solch „inneres Hören“ erst im Alter auf „höherer“ Stufe erreicht wurde, oder schon in Kindes/Jugendjahren ab den ersten Klavierstunden kultiviert wurde.

Hochschulen für Musik kümmern sich vorwiegend um „Koordinations-Überflieger“, blenden die Lehre des Inneren Hörens gänzlichst aus. Eine Schulung des inneren Hörens findet an Musikhochschulen meines Wissens nach nicht statt, weltweit.  Der     Lehrkörper kann nicht weitergeben, was er nicht selbst erfahren hat. Bestenfalls fließen einige „Geheimtipps“ hierzu mit ein,   aber das war es dann auch schon.

Die besten Lehrer des künstlerischen Klavierspiels lehnten deswegen eine Berufung an eine Musikhochschule verständlicherweise ab und bevorzugten Privatunterricht zu erteilen( z.B. Anna Stadler/München).

Falsch gelenkte, jedoch Wettbewerb geschulten Hochbegabungen überfluten heute wieder die Konzertbühnen der Welt. Musikhochschule als flüchtiges Durchgangsstadium seltener Koordinationsgenies, wobei Management der Karriere inzwischen offensichtlich mehr Raum einnimmt, als die innere natürliche Entwicklung der Kunst, des Spielvermögens sowie der Persönlichkeit.

Ein Widerspruch zwischen Wettbewerbstauglichkeit und der Schulung des Inneren Hörens besteht ja, wie man irrtümlicherweise glauben könnte nicht –  im Gegenteil!

Das Spielvermögen heutiger junger Pianisten und Pianistinnen wird durch die Schulung des (Inneren) Hörens den erhöhten Wettbewerbsanforderungen heutiger Zeit im höchsten Maße gerecht.

68584_170580532974569_556476_n

https://www.musikverlag-zimmermann.de/ziegler-beata/

Da sind uns Europäer die Asiaten um einiges voraus. Die errichteten und weihten in Tokjo in feierlicher Zeremonie ein Bronze-Denkmal schon in den 60-Jahren für die Schöpferin der INNEREN HÖRENS – Beata Ziegler!  Heute wird die Beata Ziegler- Gesellschaft. e.V. in Tokjo weiterhin stark frequentiert. Die ehemalige Klavierstudentin aus München (Klasse Schilde) und heutige Professorin Yukino Fujiwara vertritt dort deren musikalischen Belange. http://www12.ocn.ne.jp/~yukino/d/  Hierzu darf nicht unerwähnt bleiben, dass Yukino Fujiwara in München im Hause der legendären Klavierpädagogin Anna Stadler aufgewachsen ist. Direkter kann man das innere Hören wohl nicht erlernen, außer man war bei Beata Ziegler selbst. Der kluge Schilde erkannte das, als Y.Fujiwara zu ihm an die Hochschule kam, um ein Studium zu absolvieren. Der PIANISTENWEG Anna Stadler-Schilde war sicherlich zur damaligen Zeit ein sehr geschickter. Schilde war als Professor für Klavier in München ein sehr aufgeschlossener Geistesmensch.

Das Eine sei noch dazu gesagt:  Viele „ausgereifte“ Pianisten/innen der nahen Vergangenheit, darunter Klavierdozenten wie Pianisten, fanden auch noch im fortgeschrittenen Alter über die Lehre des Inneren Hörens zu ihrer individuell eigenen, authentischen Spieltechnik und konnten diese dann auch an ihre Studierenden weitergeben, weiterlehren.

001 (12)

Eine berühmte Münchner Klavierprofessorin der Musik-Hochschule revidierte in ihren letzten beiden Lebensjahren (!) nahezu ihr gesamtes klavierpädagogischen Schaffen, nachdem sie das INNERE HÖREN von der Güte her als höchste pianistische Schulung einstufte mit den Worten:

„Wenn ich mein langes Leben nochmals leben könnte, würde ich pianistisch gesehen genau das Gegenteil von dem tun, was ich tat.“ Sie bezog sich dabei direkt aufs innere Hören. Jener Klavierprofessorin(siehe Bild!) gelang es dann noch die letzten zwei Jahre ihres Lebens ihre gesamten Privatschüler darin zu unterrichten. Als Vermächtnis hinterließ sie folgendes Kompendium für Pianisten/innen.

c152d99b1df5ba4502ae4ff52b044fed_285x255

Nur über Umwege kam dieses Kompendium an die Öffentlichkeit und ist nun seit längerer Zeit schon im Handel.

Das der Autorin am Herzen gelegene Material ist darin vollkommen enthalten. Sie, die Klavierprofessorin Maria Landes- Hindemith, legte ausdrücklich besonderen Wert darauf, das Kapitel „Beata Ziegler“ klavierspieltechnisch intensiv zu unterstreichen.

Es ist heute wie damals davon auszugehen, dass Musikhochschulen sich in ihrer Verantwortung und Wahrnehmung gegenüber der Aufarbeitung der eigenen musikpädogischen Entwicklungsgeschichte absolut ignorant verhalten.

Ein gemindertes Ansehen ist die heutige Folge, welche Musikhochschulen aufgrund ihrer eigenen Versäumnisse diesbezüglich erfahren müssen. Ob diese Tatsache den Musikhochschulen überhaupt bewusst ist, sei als Frage hierzu durchaus berechtigt. Sind denn praktische Musiklehre, die instrumentale und vokale Ausbildung nicht etwa das Herzstück einer jeglichen Musikhochschul-Ausbildung? Wie ist es nur möglich, die praktizierende Pädagogik und deren Entwicklungsgeschichte heute völlig auszublenden, bestenfalls als eine Fußzeile zu behandeln??

Niemand fühlt sich hierfür noch verantwortlich, da es keine Köpfe mehr dafür gibt!  Ein seelenloses Kommen und Gehen könnte man meinen. Hoch/zeit für Musikmediziner? – Haarsträubende Unbedarftheit in methodisch/ spieltechnischen Analyseverfahren und deren bestehenden Fragenkataloge zur SPIELTECHNIK an den Musikhochschulen.

Überzeugen sie sich selbst über etwaige Schieflagen:

Hauptfach Tunnelblick?
Dreiteilige Serie über (Schieflagen in der) Musikausbildung in Deutschland, Teil 1: Musik studieren

https://van.creatavist.com/hauptfach-tunnelblick

Mnchen_HMT_682392_i0

Ich glaube, dass Musikhochschulen noch nicht einmal einen geeigneten Lösungsansatz zu dieser Defizit-Problematik ihrer eigenen Instrumental-Lehre gefunden haben. Nach welchen Kriterien suchen sie ihre Dozenten aus? Ja und wer sucht aus? All dies sind meiner Meinung nach noch unbeantwortete Fragen und eine gewisse Fahrlässigkeit sei den Musikhochschulen damit unterstellt. Jeder süppelt vor sich hin. Es gibt keine offenen Diskussionen um Spieltechnik und Kunst eines bestimmten Instrumentes innerhalb der Hochschulen. Das ist jedem Dozenten selbst anheimgestellt, was und wie er unterrichtet. Daran sollte auch keiner rütteln, wo kämen wir da hin? Schlechte Zeiten für Innovationen spielerischer Art, wenn Tür und Tor offen stehen für Beliebigkeit. Nichts geht mehr voran in der Methodologie der Instrumentalkunst, der künstlerischen Spieltechnik – tote Hose.

Die Studierenden sind ebenso auf sich alleine gestellt und werden sich ihre eigenen Gedanken hierzu machen müssen, ohne Hilfestellungen, ein Durchwurschteln ist die Folge. Das kann nicht richtig sein! Es kann nicht sein, dass man die Kunst des Lehrens so schwammig unbesprochen lässt, sie ist wie die Kunst selbst im Idealfall.

Um konkreter zu werden, es geht darum, was man z.B. einem Klavierstudenten an handwerklichem Können mit auf den Weg gibt. Noch konkreter: Was ist es, was er/sie erlernen sollte, um darüber verfügen zu können, selbst wenn er/sie nicht den göttlichen Funken besitzt? Das wäre ein realistischer Ansatz, sich darüber klar zu werden, meinetwegen darüber auch zu streiten, welche Minimal-Standards in jedem Falle methodisch, pädagogisch und künstlerisch zu vermitteln und gewährleisten sind. Davon sind Musikhochschulen weit entfernt, vielleicht sogar entfernter denn je.

Die Vermittlung des „langen Hebels“, welche vom bewussten Hören ausgeht, ergibt den gemeinsamen Ansatz, um die vorhandene Werte der Ausbildungsinhalte zumindest einmal zu bündeln und auszurichten. Doch was macht diese Körpermitte denn im Spieler aus, welche eigenschaftlichen Faktoren bestimmen diese „Körpermitte“, welche in Verbindung zur Fingerspitze und weiter noch zur Klaviersaite verlaufend den erwünschten Klang garantieren soll? Da geht es doch um Durchlässigkeit, Transparenz, Tonkultur gepaart mit einer entsprechend natürlichen Spieltechnik.

10981811_981691348530146_7078279884201182637_n

Obgleich oberflächlich gehalten beschreibt der folgende Auszug einige dieser Punkte der Klavierspieltechnik:

…..eine Art GLEITSYSTEM.  – – Ahah!

Dieses Gleitsystem, in einer richtigen Weise ausgeführt, ist doch für die meisten Pianisten immer noch ein Novum.

Man könnte sogar meinen, es wäre gar nicht vorhanden, nicht angewandt.  Der“lange Hebel“ bildet die Voraussetzung für die Funktionalität dieses Gleitsystems, ohne ihn geht da nichts. Wer dieses Gleitsystem nicht zu bedienen weiß, hat davon nichts verstanden. Eine Grundregel sei hier einmal verraten: Der Daumen gleitet heraus, der kleine Finger hinein auf seiner Taste inklusive der davorliegenden und nachfolgenden Fingertongruppen, es geht wegen dem Daumen gar nicht anders herum. Finger dabei flach halten, eben gleitend. Da die Methodik der Klaviertechnik historisch hierfür noch keinen geeigneten, unmissverständlichen Terminus gefunden hat, ist dies weitestgehend auch praktisch wie inhaltlich verloren gegangen. „Auf den Tasten gleiten“ kann akzeptiert werden. Es ließ sich wirklich kein Begriff hierfür finden.  Da diese Gleittechnik außerdem noch „den langen Hebel“ voraussetzt machte die Sache nicht leichter. Der „lange Hebel“ entsteht wiederum über ein inneres Hören. Dieses „Innere Hören“ eröffnet sich einem nur durch einen beruhigten Geist, welcher ausschließlich oder in erster Linie der MUSIK zu dienen hat.

Terminus: ROLLUNG ist ein fortwährend sich bewegtes Gleiten, Rutschen, Finger flach gehalten(!), gerade tastenauswärts/tasteneinwärts, ausdrücklich ohne(!) seitlichen Ausweichbewegungen, z.B. des Ellbogens, nicht kreisend und rudernd!

„Weitester Oberarm! Weite Schultern! Den ganzen Arm durchlaufen lassen…..Daumen und kleine Finger dürfen keinen hemmenden Druck auf die Tasten ausüben – also nicht hängen bleiben! …nie mit dem Auge kontrollieren, dadurch wird sofort das bewusste Hören unterbrochen…“, u.s.w.

entnommen aus Beata Ziegler: „Das innere Hören/Gedanken zum inneren Hören“

https://www.musikverlag-zimmermann.de/ziegler-beata/

Die ROLLUNG spielt bei Bach kaum eine Rolle, der lange Hebel am Cembalo schon..

Der bare Unsinn, der über Klavierspieltechnik seit neuem auch in den Medien und sozialen Netzwerken verbreitet wird, und das auch von Lehrbeauftragten der Hochschule, ist teilweise himmelschreiend. Falsche begriffliche Implikationen, die nie explicit gemacht wurden. Eine „Welt“, die auf dem Kopf zu stehen geruht, stellt sich da der Pianistenwelt entgegen.

mnchen_hmt_682392_i0

.

Schnell läuft eine/r Gefahr als arrogant abgestempelt zu werden, bemängelt er/sie dies als Mißstand heute üblicher Geisteshaltungen. Eine allüblich herrschende Sprachlosigkeit bemächtigt sich der angehenden Musiker/innen. Diese Tendenz macht vor keiner Landesgrenze halt.  Der geschlossene Kreislauf einer standartisierten Sprachlosigkeit wird so immer wieder neu geschlossen und somit auf lange Sicht unvorteilhaft tradiert werden. Übrig bleibt bestenfalls eine latente Sprachverwirrung unter Pianisten/innen und Klavierpädagogen/innen. So sieht jedenfalls die momentane Lage aus.

In den Klavier-Methodikseminaren an Musihochschulen sollte das Wecken des Interesses an einer einheitlich fundierten, konzeptionellen Fachsprache, Terminologie der Pianistik an erster Stelle stehen. Auch hierzu hat Prof.Elgin Roth einen bedeutenden Beitrag geleistet, einen Beitrag, der die sprachlose Klavierwelt zumindest aufhorchen lässt.

Einfachheit neu
429258_221717264585259_1963446262_n
Cover_FMP47-ND_Roth.indd

Beide Buchwerke übertreffen alle bis auf den heutigen Tage erschienenen, neuzeitlicheren Werke der Klaviermethodik.. und sind in absehbar kurzer Zeit, wieder neu aufgelegt, im Handel erhältlich.

http://www.wissner.com/product_info.php?products_id=4607

http://www.wissner.com/product_info.php?products_id=4420

(Fortsetzung erfolgt laufend!)

NATÜRLICHE KLAVIERSPIELTECHNIK


2014_04_27_18_02_44_OneShot(2)

Instrumentalpädagogik ist die Lehre der Vermittlung. Die Mittel wodurch Schüler oder Studierende die Befähigung erhalten, das anspruchsvolle Handwerk eines Profimusikers auf gesunde und natürliche Weise ausüben zu können, geben am deutlichsten den zentralen Nerv unserer Betrachtungen wieder. Ein klavierpädagogischer „Vermittler“ kann immer nur so gut sein, als die Lehre, die er aus eigener Überzeugung glaubhaft vertritt. Wem nützt schon eine falsche Methode oder Lehre, sei sie noch so überzeugend vertreten? Also man prüfe, wer sich ewig bindet!

Das Thema soll „Natürliche Klavierspieltechnik“ heißen – wie und wodurch vermittle ich meinen Schülern eine natürliche Klavierspieltechnik? Oder auch „Wie und wodurch gedeiht ein Musikwerk unter den Händen eines wahrhaften Künstlers, welche pianistische Behandlungsweise ermöglicht diesem Künstler seinen Vortrag so ideal zu gestalten?“

Nehmen wir an, es gäbe nur drei oder vier bekannte, ideale Methoden neben der aktuell praktizierten, abertausenden wenig idealen „Methoden“ an den Musik-Hochschulen dieser Welt, so wäre es doch außerordentlich wichtig herauszufinden, wie und wodurch sich jene idealen Methoden als ideale Methoden herausgebildet haben.

PortraitFileChopinPhoto_largejpg

Kein Geringerer als Frederic Chopin hat die Existenz einer „idealen“ Methode durchaus stets im Sinn. Seine „Méthode des Méthodes“, sein pianistisches Ideal, seine klaviermethodischen Überzeugungen und Praktiken sind letztendlich in erstaunlich weitreichender Übereinstimmung mit denen von Ludwig Deppe(1828-1890) und aufgrund aktuell herrausragender Publikation der interessierten Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Sehr deutlich geht dies aus den „Hallesche Schriften zur Musikpädagogik (Band 61/Wissner-Verlag)“ hervor. Daraus entnehmen wir, dass Fr.Chopin und L.Deppe „Standpunkte verfochten, die dem damaligen Zeitgeist diamentral entgegenstanden, heute aber, zumal im Sinne moderner Körperpraktiken, mit Sicherheit eine spontane Anerkennung fänden.“

Dem ist auch gut so, vergegenwärtigt man/frau sich heutige „pianistische“ Gepflogenheiten des herrschenden Konzertbetriebs.

Falsch gelenkte, jedoch Wettbewerb geschulten Hochbegabungen der Pianistenszene überfluten die Konzertbühnen der Welt. Musikhochschule als flüchtiges Durchgangsstadium seltener Koordinationsgenies, wobei Management der Karriere inzwischen offensichtlich mehr Raum einnimmt, als die innere natürliche Entwicklung der Kunst, des Spielvermögens sowie der Persönlichkeit.

Ein Aufruf gälte es hier an alle Klavierstudierenden, Profimusiker/innen und Musikpädagogen/innen zu unternehmen:

Ein Musiker sucht sein Leben lang nach Transparenz und Authentizität. Er gerät nicht selten an eigene Grenzen und trachtet danach sie auf natürliche Weise zu überwinden. Der heutige Zeitgeist des „Anything goes“ ist dagegen von Gewaltanwendung noch lange nicht frei und deswegen grundfalsch und eigentlich längst widerlegt. GREIFEN WIR DIE IDEALE VON FREDERIC CHOPIN oder LUDWIG DEPPE wieder auf! Begebt Euch auf den Weg! Habt höllisch Acht auf gut meinende Blender der Szene! Nicht Alles, was sich als frei anfühlt ist auch „wahre“ Freiheit. Im Grunde bedrohen auch immer die falschen Freien die ernsthaften Freien in ihrer Entwicklung.

Liebe Studierende des Fachs Klavier! Besorgt euch das Buch der Klavierbücher von Elgin Roth, konfrontiert Eure Professoren/innen mit dem darin so reichem Wissen und studiert es regelrecht. Das wäre dann schon ein gewaltig großer Schritt nach Vorne in der Pianistik heutiger Tage. Diskutiert mit euren Mitstudenten, holt oder macht Euch Erst-, Zweit- oder Drittmeinungen, der Diskurs muss neu generiert werden, sonst…….ja, sonst……., sonst werden Halbwissen wieder einmal für Jahrzehnte weitergeneriert und die innovativen Erkenntnisse eines Chopins zukünftig somit, wie in naher Vergangenheit weitestgehend geschehen, konsequent dümmlich missachtet.

Diese Missachtung ist heutigem Klavierspiel auf Weltbühnen wesensverwandt, ist die wesentliche Folge der vorangegangen Geringschätzung und Unwissenheit über die schon von Chopin und Deppe längst erkannten Tatsachen. Oftmals waren es die Falschen, ja die Falschversteher, welche in der Geschichte der Klaviertechnik/-methodik das Sagen hatten. Leider finden wir diese Schieflage überall auch heute noch an den Ausbildungsstätten für Musikstudierende. Elgin Roth deckt mit ihren beiden Buchwerken diese heutigem Misstände auf und führt ebenso die methodischen Ansichten verschiedenster Auffassungen mit all ihren Widersprüchlichkeiten in brillanter, sachbezogener Weise auf. DESHALB ist ihre Stimme die kompetenteste, die in den letzten Jahrzehnten von verschiedenen Seiten her vernehmbar wurde. Bekannte Persönlichkeiten wie der Klavierguru Kämmerling holten sich bei bestehenden Unklarheiten Rat und Korrektur in letzter Instanz bei Elgin Roth. Die absolut methodische, unbeiirbare Sachkenntnis lag bei ihr in ihren Händen. Sie verfügte über eben dieses unbeirrbares Gespür für das Richtige und Natürliche in der Kunst des Klavierspiels, gepaart mit dem selten großen Wissen in den zentralen klaviermethodischen Fragen.

429258_221717264585259_1963446262_n

                                                                                         PROF. ELGIN ROTH

http://www.wissner.com/product_info.php?products_id=4607

Hier könnt Ihr den Lieferstatus selbst checken!

NATÜRLICHE KLAVIERSPIELTECHNIK

Parallele, hierzu gleichlaufende Überzeugungsarbeit leistete im süddeutschen Raum die Lehre des Inneren Hörens am Klavier.

Auch hier ist immer der „singende Ton“, ja sogar der ureigene „Körperton“ des Spielers von herausragender Bedeutung in der täglichen Übe- und Spielpraxis.(Stimmbildung des Klaviers)

Klavierpädagogische Weltgröße erreichte ebenso wie Elgin Roth die Münchner Klavierpädagogin Anna Stadler, welche ganz im Sinne des Inneren Hörens(Beata Ziegler) unterrichtete und die gängige Unterrichtspraxis der Musikhochschulen eher verurteilte. Die Unterrichtssituation hat sich für Studierende in den letzten Jahrzehnten an den Musikhochschulen unwesentlich verändert, was den Hauptfachunterricht speziell angeht. Er wird eher heute noch mehr unterbewertet als wie vor 30 Jahren beispielsweise, natürlich dies mit verheerenden Folgen für die Kunstausübenden. Nun, alles bleibt an der Person des Lehrers hängen, der man sich als Studierende/r schutzlos anvertraute. Und hier gilt es eben genau hinzuschauen, nachzufragen und zu prüfen!! Musikpädagogen neigen gerne zur fälschlicher Selbststilisierung, gerade dann, wenn sie Studierende unterrichten. Man sollte seine Hauptfachlehrer löchern, ihnen auf den Zahn fühlen und nachvollziehen lernen, woher sie ihr Wissen nehmen. Entspringt ihre Auffassung von Klavierspiel(technik) eher der Isolationstechnik oder der der Ganzheitlichkeit – zwei miteinander absolut unvereinbare Entwicklungen aus der Geschichte der Klavierspielkunst? Kein intelligenter Klavierpädagoge würde offen mehr Farbe bekennen für erstere Entwicklungsschulung, die der „Überanspannung“. Für die zweite Auffassung haben heutige Klavierdozenten bedauerlicherweise immer noch zu wenig methodisches Bewusstsein. „Woher sollen sie es denn auch wissen?“ Mit dieser Frage sind speziell die Ausbilder gemeint. Studierende sind oftmals noch ahnungsloser und erhalten insofern auch oftmals falsche Antworten. Wobei wir wieder bei dem Begriff VERANTWORTUNG angekommen wären – die des Lehrers gegenüber der Studentenschaft! Meiner persönlichen Erkenntnis nach verantwortet die Lehre der Hochschule alles, was danach folgt und auch vieles von dem, was während dem Studium an künstlerischer Entwicklung mit der/m Einzelnen geschieht. Wie sehr steht sie zu dieser Verantwortung oder wie sehr wehrt sie diese (aus Unwissen) ignorant ab?? Sind den jene, über die ich spreche, denn ungeschulte Pädagogen, quasi von der Bühne herab engagiert? Sie machen womöglich ihre ersten Erfahrungen mit Studenten/innen. NEWAGE – PÄDAGOGIK. Spielen die Aussagen eines Chopins dann noch eine bedeutende Rolle, oder die einer Elisabeth Caland, einer Beata Ziegler, eines Ludwig Deppes, eines Friedrich Rabls, einer Anna Stadler, einer Elgin Roth???? Ach ja, man greift auf bekannt Herkömmliches zurück, einen „Heinrich Neuhaus“ zum Bleistift, eine „Margit Varro“ und schon weiß man/frau bescheid. Haha, wie einfach! Die Hochschulen nehmen sich simpel gesagt hierfür zu wenig Zeit. Daraus resultiert eine grob fahrlässige Ungründlichkeit in pianistischen Fragen zur praktischen Spieltechnik. Weshalb Hochschulen derart müßiggangmäßig verfahren liegt so gesehen an einer methodischen Unkenntniss der Ausbilder.

FAZIT:

Man speist die Musik-Studierenden mit Halbwissen ab.

und

Sie wissen es einfach nicht(besser).

All dies hat dann mit der WIEDERENTDECKUNG DER EINFACHHEIT wirklich nicht das Geringste mehr zu tun.

Wir veröffentlichen deshalb vorab bis das Buch erscheint dies Arbeitspapier für alle Pianisten und Musikpädagogen:

Zur täglichen Bewusstwerdung!

Zur täglichen Bewusstwerdung!

(mit Fortsetzung)

E l g i n R o t h

Weiterführende Beiträge bitte unter https://pianoschoolmunich.wordpress.com/

Wiederentdeckung der pianistischen Einfachheit