Gibt es zuviel verschiedene „Philosophien“ des klassischen Klavierspiels? – Was die Musikhochschulen verschweigen

Selbstverständlich vertritt jeder Berufsmusiker oder Instrumentalpädagoge zurecht seine individuellen Anschauungen zum Thema „Spieltechnik“ seines Musikinstrumentes. Als höchstes pädagogisches Gebot des Unterrichtens wird allgemein in der Ausbildung die Rücksicht auf Individualität und Persönlichkeit des Studenten stets angeführt. Dieses lässt sich ebenso schon bei Anfängern, also Kindern und Jugendlichen einleuchtend nachvollziehen. Jeder Mensch ist anders, jeder Schüler, Student und ausgereifter Bühnenkünstler hat bereits eine individuelle Entwicklung von klein an an sich selbst erfahren. Darüberhinaus gibt es charakteristische Eigenarten bestimmter „Schulen“ des Instrumentalunterrichts, wie es zum Beispiel die Ausbildung der sogenannten „Russischen Schule“ oder auch „Wiener Schule“ des Klavierspiels darstellt.  Die besonderen Merkmale einer Ausbildungsrichtung werden von deren Vertretern nicht ohne Grund hochgehalten und mit dem beispielhaften Verweis auf berühmte Künstlerpersönlickeiten versehen, bzw. untermauert. Es lässt sich keineswegs leugnen, dass historisch gesehen innerhalb der Klaviermethodik und -pädagogik bestimmte charakteristische Stränge der Entwicklung eine einflussreiche Dominanz entwickelten und sich durch deren Hauptvertreter weltweit auf Dauer einen Namen machten.

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Aus geschichtlicher Erfahrung heraus und bei eingehender Betrachtung des heutigen Entwicklungsstandes sind diese Fakten jedoch kaum noch relevant, falls sie es überhaupt jemals wirklich waren, weder für den Musik-Hochschullehrer noch für seinen Studenten oder Schüler. Das Unterrichten eines hochbegabten und motivierten Klavierstudenten erfordert in erster Linie pragmatische Einsichten in eine Materie, welche sich heute weder mit Nationalitäten noch mit Berühmtheitskategorien begründen lassen. Um in Gegenwart und Zukunft entscheidende Weichen für eine klaviermethodisch relevante Ausbildung zu stellen, müssen Analyse bestehender wie überlieferter Unterrichtsverfahren in den Unterricht und die Ausbildung von Pianisten sowie Klavierpädagogen einfließen und von kompetenter Seite her methodisch/pädagogisch unvoreingenommen ausgewertet werden. Das dieses bereits von einzelnen Größen schon in naher Vergangenheit verwirklicht wurde, u.a. von der Hamburger Klavierprofessorin Elgin Roth in ihren beiden Buchwerken, sollten diese an allen Musikhochschulen als verbindliche Pflichtlektüre für das Fach Klavier vorausgesetzt werden. Cover_FMP47-ND_Roth.inddWeshalb dies bedauerlicherweise noch nicht geschehen ist, liegt höchstwahrscheinlich an den Klavierhochschul-Lehrkräften, welche sich bis heute nicht „herabließen“ hinzu zu lernen!  Dabei vergessen sie Eines: Das Lernen beginnt auf Stufe1 und endet nie am Klavier, im positiven Fall ein Leben lang.

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Der Pianist und Mediziner Marco Antonio de Almeida, Professor für Klavier und Klaviermethodik am Institut für Musik in Halle-Wittenberg sowie an der Musik-Hochschule Hamburg weist beispielhaft im Vorwort zu Elgin Roths Buch „Klavierspiel und Körperbewusstsein“(Wißner-Verlag) unmissverständlich darauf hin, dass im heutigen studentischen Alltag an den Musikhochschulen ein hoher Wissenbedarf entstanden ist hinsichtlich Prävention möglicher Spielschäden.  „http://www.wissner.com/pdfs/9783896398178.pdf

„Dies bedeutet, dass auch unmittelbar in der Musizierpraxis das Bewusstsein für körperliche Zentralkoordination durch Aufrichtung und Gleichgewichtsfindung entwickelt werden muss, und zwar im Zusammenhang mit angestrebter Armgewichtskontrolle, Bewegungsschnelligkeit, Kraftentfaltung und Ausdauer. Prävention im Unterrichtsraum statt Therapie in der Arztpraxis lautet das Idealziel. 

Es versteht sich von selbst, dass der Anfängerunterricht am Klavier hiervon nicht ausgenommen werden sollte – im Gegenteil! Die Weichen für die zukünftige, glückliche musikalische/instrumentale Entwicklung eines Kindes können von Anfang an auf besagter Stufe1 bereits zu stellen sein. Interdisziplinäre Herangehensweisen sind hierbei für den heutigen Klavierpädagogen von größter Bedeutung, wenn er/sie sich dieser hohen Verantwortung bewusst wird.  Nicht betont werden muss, dass der praktizierende Klavierkünstler und Pianist selbst am allermeisten daraus profitieren kann und wird.

wiederentdeckung

Die Musikhochschule ist sich dieser Verantwortung derzeit scheinbar immer noch nicht bewusst genug, um die Weichen für die Zukunft stellen zu können. Der bestehende hohe Wissensbedarf seitens der Studentenschaft wird allzu leichtfertig mit falschen Standarts regelrecht abgelenkt (theoretisches Lexika-Wissen). In der Schweiz hingegen gehören körperdynamische Fächer wie die „F.M.Alexander-Technik“ längst zum wichtigen Pflichtfach und Alltag der Musikstudenten.

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Die deutschen Hochschulen hinken schon jahrelang nur so hinterher, da sie sich ihrer eigenen Möglichkeiten nur unzureichend bewusst geworden sind.  Dabei hätten sie einen hohen qualitativen Fundus an eigenen Autoren wie Elgin Roth, Elisabeth Caland, Ludwig Deppe oder wie eine Beata Ziegler (Anna Stadler) -„Inneres Hören als Grundlage einer natürlichen Klavierspieltechnik“(übertragbar auf jedes Instrumentalfach wie auch dem Gesang).  Es leuchtet einfach nicht ein, dass diese Geistesgrößen derart leichtfertig in der Lehre der Musikhochschulen ausgeblendet  werden und die Studentenschaft mit ihrem wachsenden Wissensbedarf fachlich allein gelassen werden. Diese Haltung der Ausbilder verwechselt Qualität mit Quantität. Die Wissensnachfrage scheint wirklich groß zu sein, das Angebot bleibt dürftig aus besagten Gründen!

Prävention im Unterrichtsraum statt Therapie in der Arztpraxis lautet das Idealziel.”

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Interessierte Pianisten, Klavierpädagogen und Klavierstudenten(bzw.Musiker), welche den bereits vorhandenen Fundus an Wissensinhalte praktisch umzusetzen bereit sind, können Kontakt über nachstehende Webseiten aufnehmen.
INFO-KLAVIERTECHNIK >> http://infoklaviertechnik.dipago.de
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